Kernergebnisse der Projektevaluation

Rückblick auf drei Jahre Projekt „Digital-Botschafterinnen und -Botschafter Rheinland-Pfalz“

Als Teil der Digitalisierungsstrategie des Landes Rheinland-Pfalz verfolgt das Projekt „Digital Botschafterinnen und -Botschafter Rheinland-Pfalz“ seit 2018 das Ziel, die digitale Teilhabe älterer Menschen in Rheinland-Pfalz zu ermöglichen und zu stärken: Dabei sollen vor allem die erreicht werden, die wenig bis gar keine Erfahrung mit Internet, Smartphone und Co. machen konnten. Dies soll durch den Aufbau eines flächendeckenden Netzwerks von ehrenamtlich aktiven Multiplikator*innen sichergestellt werden. Die Digital-Botschafter*innen sollen durch eine Qualifizierung und dauerhafte Begleitung darin unterstützt werden, Ältere im Umgang mit der digitalen Alltagswelt in Angeboten vor Ort oder bei Bedarf zu Hause zu begleiten. Die Ehrenamtlichen sollen sich mit Anlaufstellen und Kooperationspartnern vor Ort vernetzen. Durch die gegenseitige Unterstützung werden fortlaufende Angebote eingerichtet und Ressourcen gebündelt.

Wer sind die Digital-Botschafterinnen und -Botschafter?

Digital-Botschafter*innen sind ehrenamtlich Aktive, die auf vielfältige Art und Weise älteren Menschen in Rheinland-Pfalz digitale Teilhabe ermöglich sollen. Doch wer sind die Digital-Botschafter*innen, wo werden sie aktiv und welche Voraussetzungen bringen sie mit, um Menschen über 60 Jahren den souveränen Umgang mit digitalen Medien zu ermöglichen?

Der älteste Digital-Botschafter war zum Zeitpunkt der Befragung 85 Jahre alt und die jüngste Digital-Botschafterin war 17. Im Schnitt sind die Ehrenamtlichen 69 Jahre alt. Den Projektverantwortlichen war es wichtig, dass der Großteil der Ehrenamtlichen in einem ähnlichen Lebensalter wie die Zielgruppe ist. Die Digital-Botschafter*innen bringen dadurch ein besonderes Verständnis für mögliche Herausforderungen im Umgang mit digitalen Technologien mit, da sie sich, vor dem Hintergrund einer ähnlich Lebenssituation, selbst damit konfrontiert sehen.

Dass die Altersähnlichkeit eine bedeutende Rolle in der Vermittlung von Inhalten rund um digitale Themen hat, bestätigen auch Ergebnisse der FUTA-Studie der Universität Heidelberg aus dem Jahr 2015. Der Peer-to-Peer-Ansatz schafft eine vertrauensvolle, offene und angemessene Lernatmosphäre. Den Projektverantwortlichen war es außerdem wichtig, viele Frauen für das Ehrenamt zu gewinnen, da eine Studie aus dem Jahr 2017 zu Internet-Initiativen für Senior*innen in Rheinland-Pfalz gezeigt hatte, dass nur 21 Prozent Frauen ehrenamtlich im Bereich Senior*innen und Internet tätig sind. Mehr zum Thema Frauen im Digital-Botschafter-Ehrenamt erfahren Sie in diesem Artikel ((LINK)). Daher ist es erfreulich, dass das Verhältnis zwischen Männern und Frauen relativ ausgewogen ist: 41 Prozent der Digital-Botschafter*innen sind weiblich und 59 Prozent männlich.

In welchen Regionen sind Digital-Botschafter*innen aktiv?

Ist es gelungen, ein flächendeckendes Netzwerk von Ehrenamtlichen in Rheinland-Pfalz aufzubauen? Das ursprüngliche Ziel, bis Ende 2023 300 Digital-Botschafter*innen auszubilden, wurde bereits Ende 2021 erreicht. Seit Projektbeginn wurden 336 Digital-Botschafter*innen ausgebildet, von denen aktuell (Ende 2021) 315 aktiv sind. Wie auf der Landkarte ersichtlich, gibt es inzwischen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz Digital-Botschafter*innen. In den kommenden Jahren werden weitere Schulungen folgen, insbesondere in den Regionen, in denen aktuell noch wenige Ehrenamtliche aktiv sind. Die Nachfrage nach weiteren Ausbildungen ist landesweit nach wie vor sehr hoch. Diesen Bedarf zu decken, stellt die Projektverantwortlichen vor eine große Herausforderung.

Digital-Botschafter*innen werden in der Regel nicht nur in einem Ort oder in einer Stadt aktiv, sie bieten häufig Angebote in einem weiteren Umfeld um ihren Wohnort an und nehmen damit teils lange Reisezeiten in Kauf. Ein besonderes Augenmerk des Projekts lag darauf, Menschen in ländlichen Regionen zu erreichen. Der Thünen-Landatlas des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft definiert Ländlichkeit anhand folgender Indikatoren: geringe Einwohnerzahl im Umfeld, lockere Wohnbebauung, geringe Siedlungsdichte, ein hoher Anteil an land- und forstwirtschaftlicher Fläche sowie Randlage zu großen Zentren. Auf dieser Grundlage kann der Grad der Ländlichkeit von äußerst ländlich bis zu kaum ländlich und nicht ländlich bestimmt werden. Legt man diese Einteilung der landesweiten Verteilung der Ehrenamtlichen zugrunde, sind von den 315 aktiven Digital-Botschafter*innen mehr als 60 Prozent in äußerst oder eher ländlichen Region aktiv. Der Rest ist in kaum ländlichen oder nicht ländlichen Regionen tätig.

Alle Personen, die sich für das Ehrenamt bewerben, füllen einen Anmeldebogen auf der Projekt-Website aus. Darin werden Daten zur Person, zur Mediennutzung im Alltag, zu Vorerfahrungen mit digitalen Medien, ehrenamtlichen Aktivitäten sowie zu Fortbildungswünschen erhoben. Die nachfolgende Auswertung erfolgte auf Basis von 294 Anmeldebögen, die bis Oktober 2021 erfasst wurden.

Welche digitalen Vorerfahrungen haben Digital-Botschafter*innen?

Egal ob mobile Endgeräte, PC oder Laptop: Digital-Botschafter*innen nutzen ein breites Repertoire digitaler Gerätschaften und Dienste, kennen sich in digitalen Themen gut aus und bringen somit die besten Voraussetzungen mit, um der Zielgruppe die Bedienung der Geräte beibringen zu können. Die Ehrenamtlichen haben zudem viel Vorerfahrung: 80 Prozent geben an, dass sie bereits viel Erfahrung mit digitalen Medien sammeln konnten, z.B. im Berufsleben. Einige waren sogar in der IT-Branche tätig.

Digital-Botschafter*innen nutzen ein breites Angebotsspektrum im Internet. Egal ob Kommunikation über Instant Messenger oder E-Mail, Informationssuche über Suchmaschinen, Onlinebanking, Onlineshopping, Unterhaltung über Mediatheken und Videoplattformen oder Alltagsorganisation wie Navigation und die Nutzung von ÖPNV-Apps: Die Ehrenamtlichen kennen sich in der digitalen Welt gut aus und können so älteren Menschen die Chancen und Risiken der Dienste im Alltag vermitteln. Da die Angebote niedrigschwellig sein sollen und vor allem Grundlagen geschaffen werden, müssen Digital-Botschafter*innen aber auch nicht in allen Bereichen Expert*innen sein. Ganz im Gegenteil: Das gemeinsame Entdecken mit den Teilnehmenden steht im Fokus, und viele berichten davon, dass es für die Lernatmosphäre sehr förderlich ist, wenn beide Seiten „digitale Nüsse knacken“ müssen.

Im Frühjahr 2020 haben von den bis dahin 154 aktiven Digital-Botschafter*innen 108 einen standardisierten Feedbackbogen online ausgefüllt. Gefragt wurde unter anderem nach ihren Aktivitäten, nach Veranstaltungsanzahlen, Teilnehmende, Projekttechnik und Arbeitsmaterialien.

Wie gut sind Digital-Botschafter*innen vor Ort vernetzt?

Die Vernetzung vor Ort ist ein zentrales Element im Projekt. Die Ehrenamtlichen sollen sich untereinander, mit Einrichtungen sowie Anlaufstellen in den Kommunen vernetzen, um Ressourcen vor Ort zu bündeln, Doppelstrukturen zu vermeiden und eine klare Struktur für Teilnehmende zu schaffen.

Die Ehrenamtlichen sind Teamplayer*innen: Drei von vier geben an (71 Prozent), dass sie mit anderen Digital-Botschafter*innen zusammenarbeiten. Auch die enge Arbeit mit Einrichtungen und Anlaufstellen in den Kommunen funktioniert an vielen Stellen bereits sehr gut, vor allem bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für Angebote und bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen öffentliche Einrichtungen. Im Gegenzug treiben die Ehrenamtlichen die digitale Teilhabe in den Kommunen mit ihren kostenlosen Angeboten voran und sind wichtige Ansprechpartner*innen. Außerdem können die Digital-Botschafter*innen vom großen Netzwerk der Projektverantwortlichen profitieren, zum Beispiel durch kostenlose Weiterbildungen der Medienanstalt RLP in Kooperation mit dem Digital-Kompass oder durch die Bereitstellung von Materialien durch Partner wie die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Zwei Drittel der Digital-Botschafter*innen geben an, dass sie bereits ein Ehrenamt bekleiden. 23 Prozent dieser Gruppe waren bereits vor der Digital-Botschafter-Ausbildung im Bereich „Senior*innen und Internet“ zum Beispiel als PC-Internet-Trainer*in aktiv.

Welche Angebote realisieren Digital-Botschafter*innen?

Digital-Botschafter*innen schaffen mit ihren Angeboten einerseits wichtige Treffs vor Ort, erreichen andererseits aber auch Menschen in ihrer Häuslichkeit. 68 Prozent der Ehrenamtlichen geben an, dass sie Smartphone-, Tablet- oder PC-Treffs anbieten. Damit ist diese Angebotsform die am häufigsten angebotene. Knapp die Hälfte (46 Prozent) bieten offene Sprechstunden an, und 55 Prozent besuchen Menschen zu Hause. 27 Prozent machen Angebote in Altenpflege- und Senior*inneneinrichtungen. Sie erreichen somit Menschen, die nicht mehr mobil sind oder aus verschiedenen Gründen keine Angebote außer Haus besuchen möchten. Mehr zum Thema Hausbesuche erfahren Sie hier ((LINK)).

Digital-Botschafter*innen schaffen mit ihren Angeboten sowohl wichtige Komm- als auch Gehstrukturen und ermöglichen so möglichst vielen Interessierten den Zugang zu digitalen Medien. Viele der Ehrenamtlichen veranstalten nicht nur ein Format, sondern bieten, beispielsweise neben regelmäßigen Treffs, auf Anfrage auch Hausbesuche an.

Wie erfahren die Interessierte von den Digital-Botschafter*innen?

69 Prozent der befragten Digital-Botschafter*innen geben an, dass ihre Angebote vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda weitergegeben werden. Klassische Printmedien wie Amtsblätter (52 Prozent), Zeitungen (40 Prozent) oder Aushänge (35 Prozent) spielen für die Bewerbung der Angebote zudem eine wichtige Rolle. Auch das regelmäßig erscheinende Senioren-Internet-Magazin ist ein gutes Mittel, um die Menschen vor Ort zu erreichen. Die Magazine sind sehr gut nachgefragt, sodass die erste Ausgabe mit einer Auflage von 5.000 Exemplaren bereits komplett vergriffen ist. Der Grund: Digital-Botschafter*innen sind sehr kreativ in der Zielgruppenansprache. Einige legen beispielweise die Magazine in Wartezimmern von Arztpraxen sowie Apotheken aus. In die Magazine legen sie eigene Kontakt- und Infozettel, um möglichst viele Menschen auf analoge Art und Weise zu erreichen.

Wer nutzt das Angebot der Digital-Botschafter*innen?

Zwei Drittel der Teilnehmenden der sind über 70 Jahre alt. Nach Angaben der Digital-Botschafter*innen haben 97 Prozent ihrer Teilnehmenden wenig bis gar keine Erfahrung mit digitalen Medien. Auch kämpfen 44 Prozent der Teilnehmenden mit Ängsten vor Bedienungsfehlern im Umgang mit digitalen Technologien. 30 Prozent haben Angst, dass ihr Lerntempo zu gering ist. Mit 66 Prozent werden die Angebote der Digital-Botschafter*innen überwiegend von Frauen genutzt. Damit erreicht das Projekt genau die Zielgruppe, die im Projektantrag beschrieben wurde: Offliner*innen sowie Anfänger*innen, die an der digitalen Welt teilhaben möchten. Zum Thema Offliner*innen erfahren Sie mehr in diesem Artikel ((LINK)). 91 Prozent der Teilnehmenden kommen alleine zu den Angeboten. Als besondere Herausforderung geben die Digital-Botschafter*innen den Umgang mit den sehr unterschiedlichen Interessen und Kenntnisständen der Teilnehmenden an.

Welche Inhalte vermitteln die Digital-Botschafter*innen?

Bei vielen Angeboten der Ehrenamtlichen steht die grundlegende Bedienung im Fokus. Dies unterstreicht nochmals, dass Digital-Botschafter*innen vor allem Personen mit wenig oder gar keiner Erfahrung mit digitalen Medien erreichen und zunächst Grundlagen erarbeitet werden müssen. Neben der Bedienung interessieren sich die Teilnehmenden für Möglichkeiten der Kommunikation, Fotografieren und Filmen mit mobilen Endgeräten, Informationssuche und Unterhaltung im Internet, aber auch Alltagsorganisation wie ÖPNV-Apps und Onlinebanking. Dabei thematisieren die Ehrenamtlichen auch immer die Querschnittsthemen Datenschutz und Verbraucherschutz sowie Internetsicherheit.

Digital-Botschafter*innen bieten fortlaufende Unterstützung

Die Ehrenamtlichen erreichen mit ihren Angeboten viele Menschen: im Schnitt 11 Teilnehmende pro Angebot. Die Unterschiede der erreichten Personen in Angeboten sind dabei groß, von einem einzelnen Teilnehmenden bei Hausbesuchen bis zu 40 Teilnehmenden in einem großen Treff. Im Zeitraum Anfang 2019 bis Ende 2020 haben die Digital-Botschafter*innen über 3.600 Angebote umgesetzt. Die Ehrenamtlichen geben an, dass 71 Prozent ihrer Teilnehmenden immer wieder zu den Angeboten kommen, und betonen, dass ihre Angebote vor allem ein Treffpunkt für Menschen sind (50 Prozent).

Welche Ziele wurden erreicht?

Wie beschrieben gestaltet sich die Zielgruppenerreichung bereits äußerst erfolgreich: Vor allem Offliner*innen und Anfänger*innen und auch Menschen, die keine Angebote mehr außerhalb ihres Zuhauses besuchen können oder möchten, profitieren von den Angeboten der Ehrenamtlichen. Natürlich hat die Corona-Pandemie auch das Angebot der Digital-Botschafter*innen in den letzten zwei Jahren stark beeinflusst, sonst hätten hier sicherlich sogar noch mehr Menschen erreicht werden können.

Die Ansprache und Erreichung von Ehrenamtlichen funktionieren sehr gut. Dies zeigt sich vor allem daran, dass das landesweite Netzwerk der Digital-Botschafter*innen stetig wächst und die Nachfrage nach Schulungen weiterhin sehr groß ist. So konnten 336 Multiplikator*innen gewonnen werden, die in ländlichen und urbanen Regionen aktiv werden.

Die Digital-Botschafter*innen werden mit einem breiten Angebotsspektrum fortlaufend begleitet, beispielsweise durch Arbeits- und Service-Materialien zu diversen Themenschwerpunkten, Vorlagen fürs Ehrenamt sowie regelmäßigen Web-Seminaren und Fortbildungen. Das Projekt Digital-Botschafter*innen hat damit auf vielfältige Art und Weise dazu beigetragen, digitale Teilhabe für ältere Menschen in Rheinland-Pfalz zu ermöglichen. Es bildet ein hoch flexibles Netzwerk, das auf die Bedürfnisse der Zielgruppen reagieren kann und sich fortlaufend selbst aktualisiert.

Vor welche Herausforderungen stehen die Ehrenamtlichen und das Projekt?

Zugleich steht das Projekt vor Herausforderungen: Die enge Zusammenarbeit zwischen Digital-Botschafter*innen und Anlaufstellen vor Ort hat sich als äußerst zielführend erwiesen, um ältere Menschen in den Kommunen zu erreichen, sie auf das Angebot der Ehrenamtlichen aufmerksam zu machen und die Chancen der Digitalisierung in ihrem Alltag verdeutlichen zu können. In einem großen Flächenland wie Rheinland-Pfalz muss die kommunale Vernetzung daher in den kommenden Jahren noch stärker vorangetrieben werden, um nachhaltige Strukturen zu schaffen. Neben regionalen Netzwerktreffen wird von den Projektverantwortlichen ein Konzept für die kommunale Begleitung der Digital-Botschafter*innen erarbeitet. Dazu sollen regionale Fachkräfte ausgebildet werden, die die Ehrenamtlichen beispielsweise bei der Suche nach Räumlichkeiten unterstützen, Ansprechpartner*innen bei Problemen sind und einen regelmäßigen regionalen Erfahrungsaustausch unter den Digital-Botschafter*innen ermöglichen.

Nachhaltige Begleitung erfordert verlässliche Strukturen

Für die nachhaltige Begleitung des Netzwerks und die große Nachfrage nach Ausbildungen müssen verlässliche Strukturen geschaffen werden. Ohne eine fortlaufende Begleitung und eine landesweite Koordinationsstelle wird es schwierig, das Angebot der Digital-Botschafter*innen aufrecht zu erhalten. Erfreulich ist daher die Erwähnung des Projekts im Koalitionsvertrag der aktuellen Landesregierung, die die Digital-Botschafterinnen und -Botschafter dauerhaft in den Kommunen etablieren möchte.

Gleichzeitig dürfen die Ehrenamtlichen aber nicht überfordert werden, indem sie beispielweise zu Ansprechpartner*innen für jegliche Art von digitalen Problemen und Herausforderungen in der Kommune werden. Hier muss klar definiert werden, welche Funktionen die sie vor Ort haben und welche nicht. Digital-Botschafter*in zu sein ist ein Ehrenamt, und deswegen müssen sie selbst abstecken können, wie viel Zeit sie einbringen und welche Themen sie bearbeiten können und welche nicht.

Die SIM-Studie, eine repräsentative Basisuntersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest zur Mediennutzung von Menschen über 60 Jahren in Deutschland, zeigt, dass die Grenzen zwischen Offliner*innen und Onliner*innen immer mehr verschwinden. Es geht nicht mehr nur darum, die Leute technisch gesehen ans Internet anzuschließen, sondern eine fortlaufende Begleitung in der Nutzung sicherzustellen. Die sich verändernden digitalen Herausforderungen bedingt durch die rasante Entwicklung im technischen Bereich machen auch nicht Halt vor den Generationen, die mit digitalen Medien bereits aufgewachsen sind. Daher ist es wichtig, lebenslanges Lernen in Form von niedrigschwelligen Angeboten sicherzustellen. Diese Erkenntnis hat auch für die Teilnehmenden in Angeboten der Digital-Botschafter*innen Relevanz: Viele möchten nicht alles, was die digitale Welt bietet, nutzen, sondern selbst entscheiden, was für ihren Alltag wichtig ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies für die Arbeit der Ehrenamtlichen, dass kein Angebot wie das andere ist, sehr individuell vorgegangen wird und die Ehrenamtlichen über ein sehr spezielles Wissen verfügen müssen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Zudem sind viele Themen, etwa Onlinebanking, Telemedizin oder Onlineshopping, sehr komplex und benötigen bereits sehr gute digitale Kompetenzen. Zugleich dürfen Teilnehmende nicht überfordert werden, sondern müssen Schritt für Schritt begleitet werden.

 

 

Autoren:

Autorenbild von Florian Tremmel.Dr. Florian Tremmel arbeitet als Referent für Offene Kanäle und Medienkompetenz bei der Medienanstalt Rheinland-Pfalz. Zudem ist er Mitentwickler und Redaktionsmitglied in den Projekten „Silver Tipps – mit Freude online!“ und „Digital-Botschafterinnen und -Botschafter Rheinland-Pfalz“. An der SIM-Studie beteiligte er sich als Autor.

 

 

Ein Autorenbild von Fabian Geib.Fabian Geib ist Referent für Medienkompetenz bei der Stiftung Medien-Kompetenz Forum Südwest. Aktuell ist er Teamleiter und Koordinator im Projekt „Digital-Botschafterinnen und -Botschafter Rheinland-Pfalz“ sowie Redaktionsleiter des Senioren-Internet-Magazins

 

 

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 23. Februar 2022