Begrifflichkeiten zur digitalen Fotografie

Mehr Megapixel gleich mehr Qualität?

Vergleich zwischen einer digitalen Spiegelreflexkamera und einer Kompaktkamera.

Acht, vierzehn, zwanzig Megapixel – wie viele Millionen Bildpunkte braucht eine Kamera? Wer gerne fotografieren möchte, steht zunächst vor der Entscheidung, die richtige Kamera zu finden. Kamerabeschreibungen sind mit einer Aneinanderreihung schwer verständlicher technischer Details nicht immer hilfreich. Wer aber versteht, wie die Technik funktioniert, und auf was man achten sollte, hat es leichter, die passende Kamera zu finden. Lichtstärke der Objektive, Größe des Bildsensors, Lichtempfindlichkeit und LCD-Bildschirm sind einige Elemente, die im Folgenden erklärt werden und dabei helfen können, eine Wahl zu treffen.

Wichtig ist beim Kauf einer Digitalkamera zu wissen, was sich hinter dem Begriff „Qualität“ verbergen kann und welche Komponenten bei einer Kamera die wichtigste Rolle spielen.

Technik und Qualität

Das wichtigste Element für eine gute Bildqualität ist die Lichtmenge, die auf das lichtempfindliche Filmmaterial oder den Sensor auftrifft. Damit viel Licht in den Fotoapparat eindringen kann, braucht es ein Objektiv. Die Güte und Wölbung des Objektivs bilden zusammen mit dem Durchmesser der Lichteintrittspupille (dem Loch im Gehäuse, das Licht einlässt) und dem Abstand dieser Öffnung zum Mittelpunkt des Lichteinfalls (Fokus) dann den sogenannten Lichtstärke-Wert. Dieser Wert wird mit f abgekürzt. Je kleiner der Wert desto lichtstärker ist das Objektiv. Meist bewegen sich diese Werte zwischen 1,4 und 3,5. Gut ist noch der Wert 2,8. Oft zu lesen ist auch die Schreibweise f 1/2,8 oder 1:2,8.

Digitale Spiegelreflexkameras oder Systemkameras bzw. Bridge-Kameras bieten einen Objektivwechsel an. Man kann dann zwischen Weitwinkel (viel Bildinhalt sichtbar), Tele (nah ran, wenig im Bild sichtbar) und sonstigen Objektiven wie Fischauge (Rand wird stark verzerrt wie durch eine Kugel) hin- und her tauschen.

Neben dem Objektiv spielt vor allem die Größe des Sensors eine wichtige Rolle. Der Sensor entspricht bei der Digitalkamera dem lichtempfindlichen Filmmaterial bei der Analogkamera. Auf dem Sensor befinden sich schachbrettartig angelegt die Pixel. Jedes Pixel kann elektronisch die Lichtmenge und Lichtfarbe messen. Jedes Pixel besteht aus vier mit Filtern versehenen lichtempfindlichen Anteilen: zwei Teile grün, ein Teil Rot, ein Teil Blau. Also wird nicht das ganze Licht genutzt, sondern nur ein kleiner Teil (ca. 20-25%).

Eine Smartphonekamera ist zu sehen.Wichtig für die Schärfe des Bildes ist vor allem die Größe dieser einzelnen Pixel. Je größer, desto schärfer und rauscharmer kann fotografiert werden, da mehr Licht genutzt werden kann zur Erzeugung eines Fotos. Ebenso wichtig für das Gesamtfoto ist die sogenannte Auflösung. Diese gibt wieder, wie viele Pixel insgesamt zur Verfügung stehen. Man hat hier dann die Abhängigkeit von der Größe des Sensors, da ja nur eine bestimmte Menge Pixel auf eine bestimmte Fläche draufpassen. Der ideale Sensor hat also möglichst große und sehr dicht nebeneinanderliegende Pixel. Ein recht guter, häufig vorkommender Sensor (APS-C) hat übrigens 22,5 mm × 15,0 mm Fläche. In Smartphones und günstigen Kameras steckt meist aber nur ein sehr kleiner und günstigerer Sensor mit ca. 5mm Kantenlänge. Um hier viele Pixel (oft 10-15 Megapixel) unterbringen zu können, müssen die Pixel sehr klein sein – also leidet die Bildqualität schon bautechnisch bedingt sehr stark und muss per Software korrigiert werden, wodurch viele Fehler (Artefakte, Verluste, Rauschen) passieren. Übrigens würden 6 Megapixel Auflösung für das hochwertige Drucken eines Bildes in DIN-A4 schon völlig ausreichen.

Im Zusammenhang mit der Qualität steht auch die Lichtempfindlichkeit, angegeben als ISO-Wert. Beim Analog-Film kannte man meist ISO-100 (damals auch ASA100). Moderne Kameras geben Werte von bis zu 12.000 ISO an, mit denen man auch Bilder im Dunkeln machen kann, mit dem Nachteil, dass die Bilder stark verrauscht sind, d.h. sie scheinen unscharf und die Motive haben verschwommene Kanten. Hier sollte man vorsichtig sein und den ISO Wert durch Ausprobieren nur leicht erhöhen, wenn man im Dunkeln fotografieren will, etwa bei Kerzenschein, um die Stimmung durch einen Blitz nicht kaputtzumachen.

das Kameradisplay wird genutzt um ein Foto zu machen.Weitere Qualitätsmerkmale für die Kamera selbst können beim Monitor (LCD-Display) liegen. Dieser sollte lichtstark sein, damit auch bei Sonnenlicht noch das Bild angezeigt wird, und eine möglichst hohe Auflösung, also auch wieder Pixel/Fläche, haben. Das probiert man am besten einfach beim Kauf aus. Denn meist nutzt man den Monitor lieber als den manchmal auch gar nicht vorhandenen Sucher. Die Kamera nah an das Auge zu führen, hat aber immer bei hellem Sonnenlicht den Vorteil, dass man den Bildausschnitt gut erkennt. Vorsicht: Bei Digitalkameras zeigt der Sucher je nach System mal das mögliche Vorschaubild oder einfach nur einen unbearbeiteten Bildausschnitt an. Für die Anfängerin oder den Anfänger ist ersteres besser, deshalb sollte man auch einen elektronischen Sucher mit hoher Auflösung achten.

Für Hobby-Fotografen ist ein wichtiges Argument auch das abgespeicherte Bild-Datenformat. Im Normalfall wird das Bild als JPG (manchmal auch „JPEG“ genannt) abgespeichert, also per Software berechnet und mit Informationen, welches Pixel wieviel Licht und welche Farbe im Bild hat, verkleinert. Ein im JPG-Format aufgezeichnetes Foto eignet sich in der Regel auch noch zur Nachbearbeitung. Herstellerspezifische Rohdatenformate (RAW) sind dagegen vor allem etwas für Profis, die jeden Pixel nachbearbeiten wollen.

Ein Vorteil für geübte Fotografen der digitalen Bilderdaten sind noch die Informationen zur Blendenwahl, Belichtungszeit, Verschlussdauer und sogar Geo-Position, verpackt in den EXIF-Daten. Jedes Bild hat also einen Fingerabdruck, der genau aussagt, mit welchen technischen Parametern ein Bild aufgenommen wurde, zu welcher Zeit, an welchem Ort. So kann man gut lernen, wie man ein tolles Bild geknipst hat, und diese Einstellungen in ähnlichen Situationen ohne langes Ausprobieren einfach wieder anwenden.

Das Einstellrad einer Spiegelreflexkamera ist zu sehen. Darauf gibt es verschiedene Fotomodi.Oftmals sind in digitalen Kameras verschiedene Voreinstellungen, Filmmodi oder Programme vorhanden, die beispielsweise bessere Porträts, bessere Landschaftsaufnahmen etc. versprechen. Man kann diese Optionen nutzen, sollte sich aber lieber mit manuellen Einstellungen befassen, um „bessere“ Bilder zu machen. Wenn, dann ist die Möglichkeit zur manuellen Einstellung ein wichtigeres Kaufargument als voreingestellte Wahlprogramme.

Wichtig für unterschiedliche Lichtbedingungen ist natürlich auch ein Blitz. Gut, wenn überhaupt einer vorhanden ist. Besser, wenn man einen einstellbaren Aufsteckblitz als Erweiterung nutzen kann, denn Blitzlicht macht Bilder oft zwar hell, aber überzeichnet und entstellt die vorhandene Stimmung zu stark, wenn man die Lichtintensität nicht dosieren kann.

Erweiterungen für höherwertige Systeme bekommt man auch in Form von Aufsteck-Filtern. Diese können ebenfalls Licht/Farben beeinflussen und Spiegelungen in Scheiben und auf Wasser verhindern oder Kontraste stark beeinflussen (Farbfilter, Polarisationsfilter, Graufilter).

Neben all diesen Qualitätsbeeinflussenden Merkmalen ist es aber auch wichtig zu wissen, was man eigentlich genau mit der Kamera tun will, oder welche Art Bilder man machen möchte. Selbst Smartphones bieten schon ausreichend gute Foto-Möglichkeiten an und den Varianten an Kamerasystemen sind keine Grenzen gesetzt. Tipp der Redaktion: Die eigenen Wünsche und Ziele kennen, unterschiedliche Systeme ausprobieren und dann kaufen.

Ob die digitale Fotografie bei all der Technik aber besser ist, als die Analoge, muss jeder für sich entscheiden, in dem Artikel „Analog versus Digital: Vor- und Nachteile der Technisierung“ werden die Vor- und Nachteile der Digitalfotografie erklärt.

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 1. August 2015

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