Bewegungsprofil

Der Mobilfunkanbieter weiß immer, wo man ist

Jemand läuft mit dem Handy am Ohr. Vom Handy gehen Funkwellen aus.

Das Handy weiß immer, wo man sich befindet und auch wo man schon war. Denn wie einen Haustürschlüssel oder eine Geldbörse hat man es meist bei sich. Und oft geben das Smartphone oder die Apps preis, wo man gerade ist, ohne dass man davon erfährt. Die Standortdaten können dann sogar zu einem Bewegungsprofil zusammengefügt werden. Wie das funktioniert und was man dagegen tun kann, erklärt dieser Beitrag.

Wie wird man lokalisiert?

Informationen über den Standort ergeben sich auf drei Arten:

Dass der Mobilfunkanbieter weiß, in welcher Funkzelle man sich befindet, ist verständlich: Um telefonieren oder surfen zu können, muss der Anbieter wissen, über welche Funkzelle das Handy erreichbar ist. Die GPS-Funktion braucht man für Navigations-Apps oder wenn man sich anzeigen lassen will, wo in der Nähe die nächste Haltestelle, Tankstelle oder Pizzeria ist. Aber auch viele Apps ohne eine solche Navigationsfunktion greifen auf die GPS-Daten des Handys zu, denn alle Daten sind für Unternehmen wertvoll, um zum Beispiel Werbung machen zu können.

Auch die Lokalisierung über W-LAN ist eigentlich eine clevere Sache. Wenn ein GPS-Empfang nicht vorhanden oder schlecht ist, etwa in Gebäuden oder Einkaufspassagen, kann man über die Funknetze, die das Handy erkennt, die Position feststellen. Google, Apple und andere haben Datenbanken mit den Namen der Funknetze und deren Standort. Wenn man also weiß, von welchen Funknetzen das Smartphone ein Signal empfängt, weiß man auch, wo die Nutzerin oder der Nutzer sich gerade aufhält.

Warum wird man lokalisiert?

Ob man sich in einer Einkaufspassage im Elektronikmarkt oder im Eiscafé aufhält, wie lange man dort war und mit wem, ist zum Beispiel für die Werbewirtschaft interessant. Genauso, wie mobil man ist, welche Reisegewohnheiten man hat oder wie häufig man sich an bestimmten Orten aufhält. Wenn man nachts meist am gleichen Ort ist, wird man da wohl wohnen, wenn tagsüber, dann ist dort wahrscheinlich die Schule, die Universität oder der Arbeitsplatz. Die Standortdaten verraten eine ganze Menge über die Nutzerin oder den Nutzer und deren oder dessen Gewohnheiten.

Der Chaos Computer Club nennt Handys deshalb „Ortungswanzen“. Zu Recht, wie die interaktive Grafik von ZEIT ONLINE zeigt: Die Vorratsdaten des Grünenpolitikers Malte Spitz enthüllen sein Leben.

Beim Shoppen auf Schritt und Tritt verfolgt: Was Amazon im Internet tut, versuchen Einzelhändler zunehmend auch in ihren Geschäften: Sie sammeln Daten ihrer Kunden und erstellen Bewegungsprofile. Der Bericht „Beim Shoppen auf Schritt und Tritt verfolgt“ von ZEIT ONLINE fasst die Thematik auf.

Was kann man dagegen machen?

Ob das Smartphone über GPS oder WLAN den Standort preisgibt, kann man selbst beeinflussen. Beispielsweise, indem man WLAN und GPS am Smartphone abschaltet, wenn man sie nicht benötigt.

Unter iOS kann man einzelnen Apps verbieten, auf die Standortdaten zuzugreifen.

Quelle: Youngdata-Website des Landesbeauftragten für den Datenschutz Rheinland-Pfalz.

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 4. Juli 2016

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