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Das sollte man über Hausnotrufsysteme wissen

Hausnotrufsystem, bei dem Jemand im Vordergrund den Hilfeknopf in der Hand hält und im Hintergrund steht das Telefon.

Möglichst lange selbstbestimmt und sicher zu Hause leben ist dank moderner Technik möglich. Gerade Hausnotrufsysteme bieten hier einen interessanten Spielraum. Allerdings sollten einige Dinge beachtet werden. Wie funktionieren die Systeme? Was kostet ein Hausnotruf? Und sind sie auch mit der neusten Technik kompatibel? Antworten bietet Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

 

Was ist ein Hausnotrufsystem?

Ein Hausnotrufsystem gibt Pflegebedürftigen sowie älteren oder allein lebenden Menschen die Möglichkeit, sich in Notlagen bemerkbar zu machen. Das kleine funkgesteuerte Gerät ist mit einer Notrufzentrale verbunden, die im Bedarfsfall Hilfe organisierten kann. Den Service bieten Firmen in etwa 350 deutschen Städten an. Sie sind an eine der rund 180 Notrufzentralen gekoppelt. Derzeit nutzen insgesamt etwa 350.000 Menschen ein Hausnotrufgerät.

Für wen ist ein Hausnotrufgerät sinnvoll?

Hausnotrufgeräte eigenen sich für Menschen, die ihre Selbständigkeit erhalten wollen, jedoch durch Behinderung, chronische Krankheit oder altersbedingte Beeinträchtigung gefährdet sind und in Notlagen das Telefon nicht rechtzeitig erreichen würden. Für Menschen mit Demenz ist ein Hausnotrufgerät eher ungeeignet. Es könnte sein, dass Demente nicht in der Lage sind zu entscheiden, wann sie Hilfe benötigen und den Notruf unkontrolliert betätigen.

Ausschnitt eines GroßtastentelefonsWelche technischen Voraussetzungen gibt es?

Ein normaler analoger Telefonanschluss mit dreifach-TAE-Dose und eine freie Steckdose für die Stromversorgung des Geräts genügen. Neuartige Telefonanschlüsse, wie etwa Telefonanschlüsse über Internet (VoIP) bzw. Telefonie über das Mobilfunknetz oder das Kabelfernsehnetz, sind oft nicht für Hausnotrufsysteme geeignet. Bei einem Stromausfall kann von diesen Anschlüssen kein Notruf abgesetzt werden.

Zusätzlich zum Telefon benötigt man die so genannte Teilnehmerstation. Sie ist nicht viel größer als das Telefon selbst und wird an die Telefondose und an das Stromnetz angeschlossen. Dazu kommt noch ein handlicher funkbetriebener Notrufsender, den man bequem am Körper, meist am Handgelenk, tragen kann. Die Reichweite des Funksenders beträgt in der Regel mindestens 50 Meter. Ein Akku schützt alle Notrufgeräte gegen einen eventuellen Stromausfall von 10 bis 20 Stunden.

Tipp: Wenn Sie sich für ein Hausnotrufsystem entscheiden, testen Sie bei dessen Installation, ob ein Notruf aus allen Räumen Ihrer Wohnung und auch vom Garten oder Keller aus möglich ist.

Wie funktionieren die Notrufsysteme?

Im Notfall stellt der Notrufsender per Knopfdruck die Verbindung zur Notrufzentrale her. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der rund um die Uhr besetzten Notrufzentrale nimmt dann telefonisch Kontakt mit der oder dem Hilfesuchenden auf. Dabei wird die Freisprechanlage aktiviert. Ist eine Verständigung auf diesem Weg nicht möglich, wird Hilfe organisiert.

In der Notrufzentrale sind verschiedene persönliche Daten der Kundin oder des Kunden hinterlegt: Adresse und Zugang zur Wohnung, Gesundheitszustand und Vorerkrankungen, Kontaktdaten von Angehörigen und Bezugspersonen, verordnete Medikamente, Sofortmaßnahmen und individuell vereinbarte Hilfepläne. Je nach Situation verständigt die Notrufzentrale Angehörige, Rettungsdienst, Notarzt oder Polizei.
Bei einer anderen Variante meldet sich die Nutzerin oder der Nutzer zum Beispiel morgens und abends mittels Knopfdruck bei der Zentrale. Erhält die Notrufzentrale innerhalb der vereinbarten Zeit kein Zeichen, erfolgt ein Kontrollanruf.

Notrufknopf der gerade durch ein Tippen aktviert wird.Welche Leistungen umfasst ein Vertrag?

Es gibt einen Basistarif, der bei verschiedenen Anbietern unterschiedliche Leistungen enthalten kann. Man sollte darauf achten, dass die Aufstellung und Programmierung der Geräte, eine Einweisung in das System und die Beseitigung von Mängeln im Basistarif enthalten sind.

Daneben gibt es oft weitere Tarife, die zum Beispiel die Hinterlegung eines Schlüssels, zusätzliche Geräte, regelmäßige Kontrollanrufe und mehr beinhalten.Welche Kosten entstehen durch ein Hausnotrufsystem?

Die einmalige Anschlussgebühr variierte je nach Region und Anbieter zwischen ca. 10 Euro und 25 Euro. Die monatlichen Kosten liegen zwischen 18 und 20 Euro im Basistarif sowie zwischen 32 Euro und 40 Euro, wenn zusätzliche Leistungen hinzukommen.

Wer trägt die Kosten?

75 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer zahlen die Kosten selbst. Bei geringem Einkommen kann das Sozialamt Hilfestellung geben. Krankenkassen beteiligen sich grundsätzlich nicht an den Kosten für einen Hausnotruf. Wer im Rahmen der Pflegeversicherung als pflegebedürftig anerkannt ist, kann ein Hausnotrufsystem als technisches Pflegehilfsmittel bei der Pflegekasse beantragen.

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 6. November 2015

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