Tipps für Ärztebewertungsportale

Gutes Fachwissen, gute Beratung – Wie gelingt die Suche nach perfekten Medizinern?

Zwei Hände: ein Daumen zeigt nach unten und ein Daumen zeigt nach oben.

Bewertungsportale sammeln Meinungen und Kritiken von Internetnutzerinnen bzw. -nutzern für andere Internetnutzer. Zu den meisten Dienstleistungen und Dienstleistern, Organisationen und Produkten bekommt man so ein Meinungsbild vieler anderer Menschen. Ob das Kinderspielzeug wirklich für die 8-jährige Nichte geeignet ist, das Wunsch-Hotel überall Schimmel hat oder die neuste Biografie der Knüller ist – hier findet man Antwort. Auch in Gesundheitsfragen wissen Bewertungsportale Rat und werden gerne genutzt. Wie kompetent ist die Ärztin oder der Arzt? Und stimmt auch der Service? Warum Bewertungsportale kritisch betrachtet werden sollten, dazu im Folgenden ein paar Tipps.

Die Ergebnisse von Bewertungsportalen werden gelistet. Aber selbst wenn eine Ärztin, ein Arzt oder ein Krankenhaus gut bewertet wird und im Ranking des Portals weit oben steht, heißt das nicht, dass sie oder er die beste Ärztin bzw. der beste Arzt für eine Krankheit oder eine bestimmte Patientin oder einen bestimmten Patienten ist. Für eine kompetente Bewertung muss man abwägen:

  • Zum Vergleich sollte man immer die Gesamtanzahl der Bewertungen beachten, denn die Rückmeldung auf eine Behandlung ist völlig unterschiedlich. So gibt es Ärzte, die gerade einmal zwei oder drei Bewertungen erhalten haben, andere haben dagegen fünfzig. Eine negative Bewertung fällt also viel mehr ins Gewicht, wenn weniger Leute ihre Rückmeldung geben.
  • Ebenso kann das Fachgebiet der Medizinerin bzw. des Mediziners für weniger oder schlechtere Bewertungen verantwortlich sein. Ein Arzt, der in der Regel „leichte“ Krankheiten zu behandeln hat, wird seltener mit Problemen schwieriger Krankheitsbilder und dadurch eventuell mit Beschwerden von Patienten konfrontiert. Bei Kliniken sollten die Erfahrungen auf einem Gebiet betrachtet werden. Wer häufig die gleichen Leiden behandelt, wird bei diesen routinierter vorgehen und vermutlich besser ausgestattet sein. Bei schweren Eingriffen kann daher die Fallzahl einer Behandlung, also wie oft der Eingriff durchgeführt wird, besonders wichtig für die Entscheidung sein, wo man behandelt werden möchte.
  • Häufig haben vor allem Menschen, die eine negative Erfahrung bei einer Ärztin oder einem Arzt gemacht haben, das Bedürfnis sich noch einmal mitzuteilen. Sie geben eine Bewertung ab, um andere mit ihren Erfahrungen zu warnen. So kann es passieren, dass mehr als die Hälfte der Kritiken negativ sind. Diese sollte man als subjektive Berichte betrachten, die zwar klare Anhaltspunkte liefern, aber nicht immer auch objektiv auf die ärztlichen Qualitäten schließen lassen. Vor allem bei großen Kliniken, die viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, kann dies passieren.
  • Auffällig positive oder negative Bewertungen sind Indizien dafür, dass hier manipuliert wurde. Man sollte sich bewusst sein, dass jeder, auch Ärzte selbst oder deren Konkurrenten, Kritiken schreiben können. Ebenso kann eine Person mehrfach eine Bewertung für dieselbe Ärztin oder denselben Arzt abgeben.
  • Beim Vergleich sollte man darauf achten, ob Bewertungen, die von verschiedenen Menschen eingestellt werden, gleich klingen und dieselben Formulierungen beinhalten. Dies sind Indizien dafür, dass eine Person mehrere Bewertungen unter verschiedenen Namen veröffentlicht hat.
  • Auch das Portal selbst sollte kritisch betrachtet werden. Anzeichen für eine seriöse Seite sind u.a. ein vollständiges Impressum, aktuelle Inhalte, eine Datenschutzerklärung und eine kostenlose oder kostengünstige Servicenummer. Des Weiteren sollte die Seite übersichtlich sein und Inhalte sich klar von Werbeanzeigen unterscheiden, sowie das Verfahren, nach dem die Bewertungen eingestuft werden, offenlegen. Bei Ärztebewertungsportalen ist es zudem sinnvoll, noch den Unterschied zwischen kommerziellen und nicht kommerziellen Seiten zu beachten. Kommerzielle Bewertungsportale schalten Werbung, die vom eigentlichen Angebot ablenken kann. Häufig gibt es für Ärzte auch die Möglichkeit, ihre Stellung im Ranking gegen eine Bezahlung zu erhöhen.

Ärztebewertungsportale bieten also zunächst keine sicheren Qualitätsmerkmale für eine Behandlung bei einer bestimmten Medizinerin bzw. einem bestimmten Mediziner oder einem Krankenhaus. Die Erfahrungsberichte, die jede Internetnutzerin und jeder Internetnutzer einstellen kann, geben aber bereits eine Orientierung für Patienten. Zudem besteht für die bewerteten Ärztinnen, Ärzte und Krankenhäuser die Chance, anhand der Kritiken ihr Angebot anzupassen oder zu verbessern. Eine zusätzliche Hilfestellungen und ergänzende Informationen für die Patientinnen und Patienten bieten die Qualitätsberichte für Kliniken, die durch die Ärztekammern erstellt werden.

Liste mit Qualitätsanforderungen für Ärztebewertungsportale des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 1. September 2014

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