Das Internet der Dinge – Ein Plädoyer für den bewussten Umgang mit Technik

Alles ist möglich – aber ist es deswegen auch sinnvoll?

Die Kaffeemaschine wird mit einem Tablet bedient.

Kühlschränke, die selbstständig Essen nachbestellen, die Waschmaschine, die per App meldet, dass sie fertig ist oder der Rasenmäher, der per Befehl auf dem Smartphone das Gras von selbst mäht. All das ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Aber ist das wirklich notwendig oder wirklich die nächste Evolutionsstufe in Sachen intelligenter Technik?

Einfach weil es möglich ist

Die Digitalisierung macht es möglich, dass Geräte wie der Staubsauger oder die Kaffeemaschine, die bisher vollkommen analog, d.h. auf unvernetzte Art und Weise ihren Dienst getan haben, nun untereinander und mit den Nutzerinnen und Nutzern über das Internet kommunizieren können. Die große Frage hierbei ist, warum müssen Geräte, die bisher doch ihre Aufgaben meist problemlos geleistet haben, nun kommunizieren können? Die kurze Antwort hierauf: Einfach weil es möglich ist!

Die Triebfeder moderner technischer Entwicklungen bildet die ständig voranschreitende Digitalisierung. Dazu gehört auch zunehmend das „Internet der Dinge“. Um diesen Begriff zu verstehen, kann es hilfreich sein, sich folgendes vereinfachte Szenario vorzustellen: In einem Raum befinden sich viele Menschen. Alle sprechen eine andere Sprache und gegenseitig verstehen sie kein Wort. Jeder lebt und arbeitet vor sich hin. Verständigung ist, wenn überhaupt, nur sehr schwer und mit sehr viel Aufwand möglich. Stellt man sich nun vor, alle Menschen in diesem Raum sprechen die gleiche Sprache, dann können sich auf einmal alle problemlos austauschen und miteinander in Kontakt treten, Gemeinsamkeiten entdecken und Aufgaben zusammen erledigen. Wären die Menschen nun technische Geräte, dann wäre dies das Internet der Dinge.

Was macht Technik intelligent?

Die Idee des Internets der Dinge ist es, nicht nur Geräte zu vernetzten und Kommunikation zwischen diesen zu ermöglichen, sondern auch (Alltags-)Gegenstände intelligent zu machen. Dies geschieht über Sensoren, die, wenn man es mit der menschlichen Wahrnehmung vergleichen würde, die Sinne digitaler Geräte darstellen. Denn erst, wenn Gerätschaften in der Lage sind, ihre Umwelt wahrzunehmen, wie zum Beispiel über Temperatur-, Lage- oder Drucksensoren, und diese Informationen vernetzt auszutauschen, wird ein intelligentes oder sogenanntes „smartes“ Handeln möglich. Ein vernetztes Auto könnte zum Beispiel bei einem Unfall den Schaden, der am Fahrzeug entstanden ist, über Sensoren exakt registrieren, den genauen Unfallort über GPS erfassen und über Drucksensoren ermitteln, wie viele Personen sich im Fahrzeug befinden und gegebenenfalls eine Prognose über deren gesundheitlichen Zustand erstellen. Alle Informationen könnten dann gebündelt und ganz automatisch via Internet-Verbindung an die Rettungsleitstelle übermittelt werden. Die Retter wären in diesem Fall bestens vorbereitet.

Das Internet der Dinge ist mehr als der intelligente Rasenmäher

Besondere Bedeutung hat das Internet der Dinge im Kontext der Industrie. Hier können Produktionsabläufe mithilfe intelligenter Systeme optimiert werden. Dort, wo früher Menschen ihren Dienst taten, um beispielsweise Waren zu sortieren oder zu verpacken, tritt heute vernetzte Robotertechnik. Das Ziel: Abläufe automatisieren und damit Produktivität steigern. Auch im Kontext medizinischer Versorgung trägt vernetzte Technik zu neuen Pflege- und Behandlungsmethoden bei. So können über smarte Technologien medizinische Daten besser erfasst und helfende Maßnahmen schneller und gezielter eingeleitet werden. Bei allen Entwicklungen müssen jedoch ethische Fragen stets im Auge behalten werden, damit aus zunächst helfender Technologie nicht viele Nachteile erwachsen.

Über ethische Aspekte von technischen Assistenzsystemen (AAL) schreibt Dr. Jessica Heesen in ihrem Artikel „Zwischen Unterstützung und Überwachung – Ein ethischer Blick auf technische Assistenzsysteme“.

Bedingungsloser Technikglaube Vs. Neuerungsskepsis

Egal ob innovative Produktionsweisen in der Industrie oder ultravernetzte Medizintechnik: Technik-Visionen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaftsentwicklung. Ohne diese hätten viele technische Meilensteine wie die Entwicklung des Telefons oder der bewegten Bilder nie ihren Anfang genommen. Menschen, die Ideen voranbringen und Möglichkeiten ausloten, seien sie auch noch so abstrus, sind häufig Pioniere einer möglichen (fernen) Zukunft. Oftmals steht neben dem teils blinden, bedingungslosen Glauben an den Fortschritt einerseits, eine überbordende Skepsis gegenüber technischen Neuerungen andererseits. Die Diskussion in diesem Spannungsfeld und die Auseinandersetzung einer jeden Nutzerin oder eines jeden Nutzers moderner Technik trägt dazu bei, die Frage „Brauchen wir das?“ zu beantworten. Denn: Die Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit vernetzter Gerätschaften zeigt sich weniger in der smarten Kaffeemaschine, die selbstständig den Mahlgrad der Kaffeebohnen und die Wassermenge der optimalen Zubereitung der Getränks aus dem Internet bezieht, sondern vielmehr an den Stellen, wo vernetzte und intelligente Technik zur Effektivitäts- und Effizienzsteigerung beiträgt. Eine Regulierung der Entwicklung wird dabei, wie schon immer in der Menschheitsgeschichte, ganz automatisch über den unmittelbaren Nutzen vonstattengehen. Wenn also der intelligente Rasenmäher zum vierten Mal die Blumen im Garten mäht, wird die Besitzerin oder der Besitzer sich gut überlegen, ob das Gerät weiterhin seinen Dienst verrichten darf oder nicht doch seine Ruhestätte in der Kellerecke findet.

Zum Weiterlesen

Was ist eigentlich das Internet der Dinge, damit befasst sich dir Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Wie das Internet der Dinge das Gesundheitswesen revolutioniert, erklärt Heise Online.

Der Kommentar „The Internet of Shitty Things” auf Heise Online gibt einen lustigen Blick auf die Problematik der vernetzten Welt.

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 1. Oktober 2019

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