Auf Spurensuche im Internet

Was eine E-Mailadresse alles über ihren Absender verrät

Ein Terminkalender, der durch ein Schloss verriegelt ist.

Wer im Internet aktiv sein möchte, braucht sie, die E-Mail-Adresse. Ob beim Shoppen, bei Anfragen, beim Buchen oder bei der Kontoregistrierung zu einer geschützten Homepage – bei all diesen Aktionen ist sie unerlässlich. Wer jedoch glaubt, damit anonym zu sein, um etwa in einem Internetforum mit einem Alias eigene Beiträge verfassen zu können, mit denen man hinterher nicht in Verbindung zu bringen ist, weil der Name mit E-Mail-Adresse und Passwort geschützt sei, irrt.

Was verrät die E-Mail-Adresse alles, und was kann passieren, wenn sie in falsche Hände gerät?

Ein Beispiel:
Der Internethandel boomt wie nie zuvor und unzählige Waren werden individualisiert zum Kauf angeboten. Aber wie kann man im Internet einer Käuferschicht zugeordnet werden und entsprechend dem Kaufinteresse gezielt Waren angeboten bekommen? Wie findet man heraus, ob jemand eher ein flippiger Typ ist, der ein Smartphone oder vielleicht eine Playstation kauft oder vielleicht doch eher der konservative Typ ist, der auf langlebige erprobte Waren setzt und eher etwas mehr dafür bezahlen wird? Der E-Mail-Name ist es, der einiges darüber verrät.
Menschen mit witzigen Namen wie „flotterhans86“ oder „gelberfloh“ werden als offen für vieles angesehen. Menschen mit niedlichen E-Mail Namen hingegen gelten als gutmütig und solche, die ihren Vor- u. Nachnamen verwenden und mit einem Punkt trennen, als penibel. „Rocker007“ dürfte hingegen sehr selbstbewusst sein. Die Internetindustrie versucht das Kaufverhalten daraus abzuleiten, um gezielt Werbung per E-Mail anzubieten. Ebenso zieht eine Personalchefin oder -chef aus dem E-Mail-Namen Rückschlüsse über die Persönlichkeit einer Bewerberin bzw. Bewerbers.
Welche Spuren man selbst im Netz hinterlässt, kann man einfach überprüfen, indem man seine E-Mail-Adresse in verschiedene Suchmaschinen eingibt. So wird schnell ersichtlich, wo die Adresse bereits überall verwendet wurde. Auch so lassen sich die Interessen eines Menschen herauslesen.
Die hier abgeleiteten Rückschlüsse sind natürlich nicht in jedem Fall zutreffend.

Kann eine E-Mail-Adresse bis zur eigenen Haustür führen?

Vor Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 25.05.2018 konnte  jeder bei der Registrierungsbehörde DENIC im Internet sehr schnell feststellen, wem die Domain „silvertipps.de“ gehört. Diese Art Auskünfte werden heute nur noch bei nachweislichem Interesse auf Antrag erteilt.  Insgesamt betrachtet kann man sagen, dass die DSGVO unsere Rechte zum Schutz der personenbezogenen Daten wie E-Mailadressen, doch deutlich gestärkt hat. Betreiber von Onlineportalen auf denen man sich registriert, sind bei Datenverlusten verpflichtet, diese anzuzeigen. Somit kann der Verbraucher selbst entscheiden, ob er in diesem Fall seine E-Mailadresse vorsorglich ändert.

 

Aufbau einer E-Mail Adresse:

Aufbau einer E-Mail-Adresse

Beim Senden einer E-Mail wird auch immer eine sogenannte Internetkopfzeile mitgeschickt. Hier steht eine IP-Adresse (Internetprotokoll), aus der sich ableiten lässt, von wo und über welchen Server bzw. Anbieter man die E-Mail versendet hat. Zum Beispiel die IP-Adresse 134.93.178.241. Sie führt zur Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

E-Mail Header

Was bedeutet das für den Gebrauch einer E-Mail-Adresse?

Sinnvoll ist es, sich eine kostenlose E-Mailadresse zuzulegen, die möglichst neutral ist, wie etwa reinersmail63@web.de. Es gibt zahlreiche Anbieter, z. B. web.de, gmx oder hotmail, die alle kostenlose E-Mail-Adressen anbieten. Eine solche neutrale Adresse sollte dann überall dort verwendet werden, wo es nicht auf einen wichtigen oder längerfristigen E-Mail-Verkehr ankommt, also z. B. beim Onlineeinkauf oder bei der Registrierung für Buchungen. Man nennt diese auch Wegwerfadressen, denn sobald man das Gefühl hat, im Internet zu viele Spuren damit zu hinterlassen oder dass das Werbemailaufkommen zunimmt, legt man sich einfach eine neue E-Mail-Adresse zu.

Bei seriösen Geschäften, die längerfristig angelegt sind, oder im Freundeskreis kann man selbstverständlich die eigene Haupt-E-Mail-Adresse verwenden. Dafür sollte man aber unbedingt ein starkes Passwort anlegen. Außerdem sollte man niemals den gewählten Benutzernamen z. B. von eBay oder Amazon als Teil eines E-Mail-Namens verwenden. Damit können Unbefugte versuchen, sich dort mit dem Benutzernamen anzumelden und Käufe zu tätigen.

Fazit

Eine E-Mail-Adresse verrät die Persönlichkeit, das bisherige Verhalten im World Wide Web sowie im Einzelfall die komplette Wohnanschrift. Der E-Mail-Namen ist daher mit großem Bedacht zu wählen.

 

Grafiken: Reiner Strauscheid

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 1. August 2019

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