Online-Shopping

Sicher einkaufen im Netz: Kurzinterview mit Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Ob Kleidung, Technik oder Alltagsprodukte: Online-Shopping ist für viele Menschen längst selbstverständlich geworden. Mit wenigen Klicks lassen sich Produkte vergleichen, bestellen und direkt nach Hause liefern. Doch mit den vielen Vorteilen gehen auch Risiken einher – von unseriösen Shops über versteckte Kosten bis hin zum sorglosen Umgang mit persönlichen Daten. Das Statistische Bundesamt sagt, dass gut 83 % der Bevölkerung im Alter von 16 bis 74 Jahren in Deutschland im Jahr 2024 angibt, schon einmal etwas im Internet gekauft oder bestellt zu haben. Tendenz weiterhin steigend.

Gerade im digitalen Alltag ist es nicht immer einfach, den Überblick zu behalten und sichere von unsicheren Angeboten zu unterscheiden. Welche Gefahren aktuell besonders relevant sind und wie Verbraucher*innen sich schützen können, darüber sprechen wir mit einer Verbraucherschutzexpertin. Dr. Julia Gerhards ist Referentin Verbraucherrecht und Datenschutz bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sie kennt die Herausforderungen, mit denen Verbraucher*innen beim Online-Einkauf konfrontiert sind, genau – und weiß, worauf es wirklich ankommt, um sicher im Netz unterwegs zu sein.

Frau Gerhards, Online-Shopping gehört für viele inzwischen zum Alltag – wo liegen aus Sicht des Verbraucherschutzes aktuell die größten Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Julia Gerhards: Verbraucherbefragungen und die bei den Verbraucherzentralen eingehenden Beschwerden zeigen, dass die meisten Risiken in den folgenden drei Themenbereichen liegen: zum einen Betrugsmaschen und Fake, zum anderen minderwertige oder sogar gefährliche Produkte und zuletzt im großen Bereich des mangelnden Kundenservice.  Während viele Verbraucher*innen das Risiko von Betrug und Fake-Shops mittlerweile kennen, besteht in den anderen beiden Themenbereichen oft noch kein Bewusstsein. Wenn ich als Verbraucher*in bei Problemen rund um den Kauf, bei Nachfragen oder zur Geltendmachung meiner gesetzlichen Gewährleistungsrechte keinen Ansprechpartner habe, laufen Verbraucherrechte ins Leere. Dieses Risiko ist umso größer, wenn Shops im Nicht-EU-Ausland sitzen. Denn dann ist es für Verbraucher*innen viel schwerer, ihre Rechte im Zweifel gerichtlich durchzusetzen. Daran denkt man beim Kauf häufig einfach nicht.

Welche konkreten Anzeichen helfen dabei, unseriöse Online-Shops oder betrügerische Angebote frühzeitig zu erkennen?

Julia Gerhards: Es wird immer schwerer, solche Anzeichen zu benennen; seriöse wie unseriöse Anbieter können mit denselben Baukastenlösungen blitzschnell professionell aussehende Shops erstellen. Ein guter Schutz vor Fake-Shops, also angeblichen Shops, die in Wirklichkeit gar nicht existieren und gar keine Ware verkaufen, ist beispielweise der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen. Es gibt aber auch ein paar Verhaltensregeln, die Verbraucher*innen vor vielen Problemen bewahren können – egal, ob der Shop fake oder echt und der Anbieter seriös oder unseriös ist:

  • Zahlen Sie nie per Vorkasse, sondern wählen Sie Kauf auf Rechnung oder eine Zahlungsmethode, bei der Sie das Geld wieder zurückholen können.
  • Prüfen Sie im Impressum, wo der Verkäufer seinen Sitz hat, und checken Sie, ob Sie über Ihr Widerrufsrecht belehrt werden und wohin Sie Ware zurücksenden müssten.
  • Lesen Sie gerne auch Bewertungen zu Produkten oder Verkäufern. Zwar sagen viele tolle Bewertungen wenig aus, denn die könnten auch fake sein, aber wiederkehrende negative Erfahrungsberichte sind ein wichtiges Warnsignal.

Die Verbraucherzentralen weisen immer wieder auf neue Betrugsmaschen im digitalen Alltag hin: Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit besonders häufig beim Online-Shopping?“

Julia Gerhards: Besonders herausfordernd ist in den letzten Jahren die immer größere Flut an minderwertiger Billigware, die meist direkt von den Herstellern außerhalb der EU an die Verbraucher*innen in Deutschland verschickt wird. Manche Online-Shops täuschen gezielt über die Qualität und die Herkunft der Ware. Auch hier hilft ein Blick in den Fakeshop-Finder. Die Anbieter sind aber genauso auf vielen großen und bekannten Online-Marktplätzen zu finden. Bei vertrauenswürdigen Marktplätzen findet man vor dem Kauf Informationen, wer der Verkäufer ist und wie die Ware versendet wird. Wer darauf achtet und es schafft, sich seinen gesunden Menschenverstand nicht von angeblichem Zeitdruck oder sensationellen und einmaligen Super-Schnäppchen vernebeln zu lassen, ist solide aufgestellt für erfolgreiches Online-Shopping.

Herzlichen Dank für das Interview, Frau Gerhards.

In den kommenden Wochen dreht sich bei Silver Tipps alles um das Thema Online-Shopping. Wir sprechen über Fakeshops, Zahlungsmethoden, Alternativen zum Neukauf, Umtausch und Reklamation, Vergleichsportale und mehr. Kommen Sie immer mal wieder vorbei oder bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem Newsletter: Anmeldung zum Silver Tipps Newsletter.

 

Weiterführende Links und Quellen
Fakeshop-Finder: Prüfen Sie, ob ein Online-Shop seriös ist | Verbraucherzentrale.de
Bezahlen beim Online-Shopping: Vor- und Nachteile von Bezahldiensten | Verbraucherzentrale.de
Abzocke online: Wie erkenne ich Fakeshops im Internet? | Verbraucherzentrale.de
Von Widerruf bis Umtausch: Wenn Sie mit der Ware nicht zufrieden sind | Verbraucherzentrale.de
Gefährliche Billigware? Produktsicherheit beim Online-Shopping | Verbraucherzentrale.de
83 % der 16- bis 74-Jährigen kaufen online ein – Statistisches Bundesamt

 

Bildnachweis: Melnikov Dmitriy/shutterstock.com

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 1. Juli 2026