Neue Technologien

Gesundheit 3.0? – willkommen in der Zukunft

Der Arm eines Arztes mit Stetoskop kommt aus einem Laptop-Bildschirm.

Ärzte beraten per Videotelefonie von zu Hause aus, Menschen tragen einen Knopf im Ohr zum Abnehmen, lernen mit Robotern laufen oder schlucken Tabletten, die noch aus dem Magen Signale senden. Klingt wie ein Science-Fiction-Film? Keineswegs. Auch im Gesundheitsbereich ist die Zukunft schon da.

Ärztliche Hilfe im Netz?

Die Ärztin oder den Arzt mithilfe eines Videotelefonats von zu Hause aus um Rat fragen statt stundenlang in der Arztpraxis zu warten – diese Idee möchte ein Münchner Unternehmen voranbringen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet über die Gründer, deren Idee und die rechtlichen Besonderheiten ihres Geschäfts, denn Diagnosen dürfen auf diesem Wege nicht gestellt werden.

Einen anderen Ansatz verfolgt ein junger Arzt aus Deutschland: In Videoclips im Internet erklärt er, was Hämorrhoiden sind und wie bestimmte Medikamente wirken. Damit will er einen Beitrag zur Arzt-Patienten-Kommunikation leisten. Damit wird er im Internet gefeiert, stößt aber auch auf Kritik von Kolleginnen und Kollegen.

Abnehmen per Knopf im Ohr

Durchgesetzt hat es sich offensichtlich nicht, aber die Idee ist außergewöhnlich: Mit einem kleinen technischen Gerät im Ohr wollte ein kalifornisches Unternehmen Menschen beim Abnehmen helfen. Die Idee: Sensoren und ein Mikrofon im Gerät erfassen Kaubewegungen und -geräusche beim Essen und sollen so eine Alternative zum Kalorienzählen darstellen.

Die Zukunft lässt grüßen

Was in Science-Fiction-Filmen schon lange möglich war, wird nun Realität: Ein spezieller „Kraftanzug“ soll Menschen in ihren Bewegungen unterstützen. Nicht nur für Militär und Industrie soll diese Entwicklung Vorteile bringen, auch Personen mit eingeschränkter Mobilität könnten von einem solchen Anzug profitieren.

Auch Medikamente werden digital

Die Digitalisierung scheint vor keinem Bereich des Lebens Halt zu machen. Nun werden auch Medikamente selbst „digital“. Und zwar in Form winziger Sensoren, die in Tabletten integriert werden und bei Kontakt mit der Magensäure Signale senden können. Der Netzkolumnist Sascha Lobo nimmt sich dieses Themas an.

Mit Robotern laufen lernen

Auch kranke oder pflegebedürftige Menschen sollen immer mehr von technischen Entwicklungen profitieren können. So berichtet Heise online von den Neuerungen, die auf der Altenpflege-Messe in Hannover präsentiert wurden – beispielsweise vom intelligenten Hausnotruf, der die Räume des Patienten analysiert und bei einem Sturz automatisch einen Notruf absetzt.

Auch Roboter können im Gesundheitsbereich zum Einsatz kommen, zum Beispiel wenn es darum geht, dass Schlaganfallpatienten wieder laufen lernen sollen. Bei einem Forschungsprojekt in Thüringen zeigte sich, wie gut das funktionierte.

Bis ins hohe Alter selbstständig in der eigenen Wohnung zu leben – das wünschen sich viele. Aber die Wohnung muss auch entsprechend ausgestattet sein. Die Bundesregierung will das unterstützen. Die FAZ berichtet über die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit und darüber, was man selbst dazu beitragen kann.

Diskutiert man über technische Assistenzsysteme, kommen vor allem im Gesundheitsbereich fast automatisch auch ethische Fragestellungen auf. Eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beleuchtet dieses Thema. Die Ergebnisse der Studie sind als PDF online verfügbar.

Einen kritischen Standpunkt vertritt der Journalist der FAZ, der den Weltinnovationskongress für Gesundheit in Katar besucht hat.

Die Frage nach dem Datenschutz

Die Zusammenführung von Patientendaten könnte sehr gewinnbringend für Therapie und Vorsorge eingesetzt werden. So könnte beispielsweise die Apotheke direkt prüfen, ob das neue Medikament zur restlichen Medikation des Patienten passt. Allerdings sind gerade diese Gesundheitsdaten sehr sensible Informationen, die besonders schützenswert sind. Der emeritierte Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin formuliert überspitzt: „Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen in Deutschland schon am Datenschutz gestorben sind.“

Doch nach wie vor sind Menschen sehr skeptisch, wenn es um Dinge wie die elektronische Patientenakte geht. Sind diese Bedenken berechtigt? Eine Studie besagt das Gegenteil und macht deutlich, wie Datenschutzbedenken vor allem in Deutschland von vorneherein jegliche Entwicklung blockieren.

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 14. November 2016

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