Ganz persönlich und mit viel Spaß

Mit Hausbesuchen mehr erreichen

Helga Handke ist als Digital-Botschafterin in Mainz und Umgebung unterwegs und hat ihr eigenes YouTube-Format, „Helga hilft“. Eigentlich hatte sich Frau Handke ihren Ruhestand ganz anders vorgestellt; sie hatte etliche Dinge auf der Agenda. Aber: „All das, was ich machen wollte, macht tatsächlich gar keinen Spaß!“ So ist das Leben. Irgendwie stieß sie dann auf das Projekt „Digital-Botschafterinnen und -Botschafter“. Und das macht ihr richtig viel Spaß!

Ich werde in der freundlich hellen Wohnung von Helga Handke herzlich mit einem Tässchen Tee empfangen. Im Hintergrund schallt das Lied „The Lion Sleeps Tonight“ aus einem kleinen kabellosen Lautsprecher, einer sogenannte Bluetooth-Box. „Was hörst du da eigentlich?“, fragt ihr Besucher Peter. „Ach, das ist so ein Sender mit Liedern aus meiner Kindheit“, antwortet Helga, „den hab ich in meiner Radio-App gefunden. Aber wir können auch gerne auf deinen Jazz-Sender umschalten, den gibt es dort bestimmt auch.“ Nachdem Frau Handke ein paar Momente ihre App auf dem Smartphone durchforstet hat, tönt besagter Sender auch schon aus der Bluetooth-Box. Peter ist ein ehemaliger Kollege von Helga. Bei ihren regelmäßigen Treffen bringt Helga ihm die Welt der mobilen Geräte näher. Peter fehlte lange der Enthusiasmus, sich mit Themen wie Smartphone, Tablet und Co. auseinanderzusetzen, doch Helgas Begeisterung ist ansteckend. Das Beispiel mit dem Radiosender und der Bluetooth-Box ist nur eines von vielen, mit dem Helga ihren Gast regelmäßig begeistern kann. „Es gibt so tolle Apps. Für jede Person ist etwas Passendes dabei.“

„Wir Senioren lernen nicht anders. Spaß muss es machen und spannend sein. Man muss den Spieltrieb wecken!“

Helga Handke hilft nicht nur Personen wie Peter, der schon einiges an Erfahrung mitbringt. Als Digital-Botschafterin hilft sie vor allem Einsteigerinnen und Einsteigern bei den ersten Schritten in die digitale Welt, ganz persönlich und privat. Fünf Menschen stattet sie regelmäßig Hausbesuche ab. Im sicheren, vertrauten Rahmen kann dann ganz gezielt auf die Bedarfe, Fragen und Probleme der digitalen Neulinge eingegangen werden – mit Spaß natürlich. Und Neugierde. Oft sind es Menschen, die sich nicht trauen, zu einem „Tablet-Treff“ oder anderen Angeboten außerhalb der eigenen vier Wände zu gehen, aus Sorge, nicht mit den anderen mithalten zu können. Andere sind in ihrer Bewegung eingeschränkt, können also nur schlecht oder gar keine Angebote außerhalb besuchen. Häufig geht es bei Frau Handkes Besuchen um die ersten Schritte mit einem Smartphone oder Tablet. „Ich fange so an: ‚Wie schalte ich das Gerät an?‘ Wischen kommt erst viel später, so beim achten oder neunten Treffen.“

Gerade das oftmals intuitiv geglaubte Wischen bereitet der älteren Generation Probleme. Wischen ist eben doch etwas völlig anderes als die Verwendung von Maus und Tastatur. Einmal hat sie einen Anruf bekommen: „Frau Handke, das Smartphone ist kaputt! Alles ist weg …“ Die Antwort: „Wischen Sie nach rechts!“ Problem gelöst, sogar ohne Besuch.

Wichtig ist für Frau Handke immer die Frage: Wie bereichert die Technik den Alltag, gerade von Seniorinnen und Senioren? Dabei steht der Zugewinn an Lebensqualität durch digitale Medien immer im Mittelpunkt. „Ich habe einer älteren, stark sehbehinderten Frau ‚Google Assistant‘ eingerichtet. Seitdem erlebt sie viele Erfolge und kann mit der Technik besser umgehen. Sie kann jetzt einfach Fragen stellen und bekommt Antworten. Vor allem muss sie dafür nicht lesen, weil Google ja mit ihr spricht!“

Aller Anfang ist schwer

Während ihrer Berufstätigkeit hatte Frau Handke für alles rund um Computer und Internet immer Spezialisten um sich, die alle Probleme gelöst haben. Dann kam vor vier Jahren der Ruhestand und plötzlich mussten Laptop- und Handy-Fragen à la „Wie mache ich ein Update?“ oder „Wie bekomme ich eine App auf mein Smartphone?“ selbst beantwortet werden.
Doch sie wusste sich zu helfen und besuchte einen Smartphone-Kurs über das „Studium 50 Plus“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Anschluss hörte sie von einem Tablet-Treff in Mainz. Dort konnte man zu jedem Zeitpunkt einsteigen, das eigene Gerät und die eigenen Fragen mitbringen. Das gemeinsame Ausprobieren, Entdecken und gegenseitige Helfen steht dabei stets im Fokus. Helga Handke war begeistert von der offenen Atmosphäre. Den Tablet-Treff besucht sie heute immer noch, um selbst am Ball zu bleiben. Für sie ist es wichtig, die Unterstützung und Hilfe, die sie selbst erfahren hat, an weitere weiterzugeben. Deshalb beschloss sie, selbst aktiv zu werden. „Da kam das Projekt ‚Digital-Botschafter‘ wie gerufen.“ Wer Frau Handke trifft, merkt schnell, dass sie ein sehr kommunikativer Mensch ist, auf andere zugeht und mit Spaß und Freude ihr Wissen teilt.

Wollen Sie auch wissen, wie Sie Musik über eine Bluetooth-Box hören können? Frau Handke gibt in ihren kurzen Erklärvideos „Helga hilft“ regelmäßig Tipps zum digitalen Alltag. Hier finden Sie alle Folgen.

Helga hilft

Wenn Frau Handke von ihrem Ehrenamt als Digital-Botschafterin erzählt, bemerkt sie selbst, „wie oft ich das Wort Spaß benutze“. In ihrem Ehrenamt hat sie die Möglichkeit, auf Menschen zuzugehen, Ängste zu nehmen und sich mit Personen individuell auseinanderzusetzen. Zu den Hausbesuchen kommt sie immer vorbereitet mit Leitfaden. Dann wird gemeinsam ausprobiert, gelernt und geübt; beide Seiten machen sich Notizen.

Es sind große und kleine Herausforderungen, denen Helga Handke in ihrer vielfältigen Arbeit als Digital-Botschafterin begegnet: ein Teestündchen mit dem alten Kollegen, den sie ermuntert hat, sich ein Smartphone anzuschaffen, ein Hausbesuch bei einem Ehepaar, das sich mit ihrer Hilfe ins digitale Neuland wagen will, oder Termine mit dem DigiBo-Projektteam, mit dem sie aus Spaß an der tollen Zusammenarbeit die „Helga hilft“-Videos produziert. „Die Videos sollen den Leuten Mut machen und sie aufmuntern.“ Inspiration erhält Frau Handke stets aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Fragen, die dort auftauchen, sind beispielsweise: Wie bleibe ich mit meiner Familie und Freunden in Kontakt? Wie kann ich die verpasste Sendung vom Wochenende noch einmal im Internet anschauen? Und wie kann ich, wenn ich unterwegs bin, Musik hören?

Helga Handke ist als Digital-Botschafterin überzeugt, dass sie nicht alles vollständig verstehen muss, um andere für das digitale Leben zu begeistern. Ihr geht es vielmehr darum, anderen ein Vorbild dafür zu sein, Dinge einfach mal auszuprobieren, über den eigenen Schatten zu springen und über die eigenen Fehler zu lachen.

All das macht sie neben ihrem zweiten Ehrenamt beim WEISSEN RING e.V., das völlig andere Anforderungen stellt. In beiden Ämtern kommt Frau Handke sicher Folgendes zugute: ihr fröhliches Gemüt, ihr Humor und ihre offene und hilfsbereite Art.

 

 

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 6. Februar 2020

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