Orange Day am 25. November

Gewalt gegen Frauen geht uns alle an

Eine beleidigende Nachricht auf dem Smartphone, heimliche Ortung per App oder die Drohung, private Fotos im Internet zu veröffentlichen – Gewalt gegen Frauen findet heute nicht mehr nur im direkten persönlichen Umfeld statt. Sie verlagert sich zunehmend in die digitale Welt. Der Orange Day am 25. November, der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, macht auf dieses Problem aufmerksam. Er setzt weltweit ein Zeichen für Respekt, Gleichberechtigung und ein gewaltfreies Miteinander. Denn ob auf der Straße, zu Hause oder im Internet: Jede Form von Gewalt hinterlässt Spuren und geht uns alle etwas an.

Orange Day: Warum der 25. November wichtig ist
Die Kampagne der UN mit dem Titel „Orange The World“ macht seit 1991 auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam: Vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Über 16 Tage hinweg zeigen Menschen, Organisationen, Städte und Unternehmen auf der ganzen Welt mit der Farbe Orange ihre Nulltoleranz gegen Gewalt an Frauen.

Auch heute noch ist das Thema hochaktuell.
Das zeigen die Statistiken:

  • Alle zwei Tage tötet ein Mann seine (Ex-)Partnerin; fast jeden Tag gibt es einen Tötungsversuch.
  • Alle 4 Minuten fügt ein Mann seiner (Ex-)Partnerin Gewalt zu.
  • Jede zweite Frau in Deutschland wurde bereits sexuell belästigt.
  • 90 % der jungen Frauen empfinden starke bis extreme Angst, wenn sie nachts unbekannten Männern begegnen.

Gewalt hat viele Gesichter
Gewalt lässt sich nicht ganz einfach definieren. Die meisten Menschen denken zunächst an körperliche Gewalt. Daneben gibt es aber auch psychische Gewalt, sexualisierte Gewalt, wirtschaftliche Gewalt und nicht zuletzt Gewalt im digitalen Raum. Oft treten die verschiedenen Formen der Gewalt gemeinsam auf.

Smartphone als Waffe? Das ist „digitale Gewalt“
Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe definiert digitale Gewalt wie folgt: „Digitale Gewalt ist ein Oberbegriff für Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt, die sich technischer Hilfsmittel und digitaler Medien (Handy, Apps, Internetanwendungen, Mails etc.) bedienen und/oder geschlechtsspezifische Gewalt, die im digitalen Raum, z.B. auf Online-Portalen oder sozialen Plattformen stattfindet. Digitale Gewalt funktioniert nicht getrennt von „analoger Gewalt“, sie stellt meist eine Ergänzung oder Verstärkung von Gewaltverhältnissen und -dynamiken dar.“
Das Smartphone übernimmt hier eine zentrale Rolle. Über Messenger kann Kontrolle ausgeübt werden. Es werden unerwünschte Nachrichten verschickt, bis hin zur Bedrohung, Einschüchterung, Manipulation und Mobbing. Über Ortungsdienste können Standorte ausgelesen werden. Besonders verletzten ist die Veröffentlichung von privaten Bildern und Videos, sowie die Erstellung und Verbreitung von Deepfakes (KI-generierten, sexualisierten Bildern oder Videos). Damit einher geht manchmal auch ein Identitätsdiebstahl. Große Wellen schlagen zudem auch Hasskommentare und Bedrohungen über soziale Medien.
Digitale Gewalt ist oft eine Fortsetzung von Gewalt aus Beziehungen oder nach einer Trennung.

Warum ein respektvoller Umgang uns allen guttut
Im Artikel 1, Absatz 2 des deutschen Grundgesetzes steht geschrieben: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“. Ein gewaltfreies Leben ist Grundrecht einer jeder Person. Wir alle sind dafür verantwortlich diese Rechte zu wahren und sie umzusetzen. Dazu gehört Respekt von jeder Person. Denn Respekt schafft Vertrauen. Wichtig ist auch eine freundliche und respektvolle Kommunikation. Das kann helfen sich besser zu verstehen und entschärft Konflikte im Ernstfall.
Unmut schadet zum Schluss auch der Person, die ihrem Hass freien Lauf lässt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Thema Zivilcourage. Denn wer sich aktiv gegen Hass und Hetze stellt, kann Betroffene unterstützen und schützen.

So können Sie sich vor digitaler Gewalt schützen
Am wichtigsten ist es digitale Geräte wie das Smartphone abzusichern und das Bewusstsein, dass man sich Hilfe holen darf und kann. Niemand soll Gewalt allein ausgesetzt sein. Wir haben ein paar Tipps wie man vorgehen kann:

  1. Persönliche Konten absichern
  1. Standortdaten überprüfen
  • Standortfreigaben kontrollieren (Glossarbegriff: Standort)
  • Apps auf unnötige Berechtigungen zur Standortfreigabe prüfen
  1. In sozialen Netzwerken vorsichtig sein
  • persönliche Informationen sparsam teilen
  • Privatsphäre-Einstellungen der Plattformen nutzen (meist zu finden über die Einstellungen)
  1. Verdächtige Vorfälle dokumentieren
  • Screenshots anfertigen
  • Nachrichten speichern
  • Datum und Uhrzeit notieren
  1. Hilfe holen
  • Vertrauensperson (wie Familie, Freund*innen, Kolleg*innen, Nachbar*innen) einbeziehen
  • Beratungsstellen kontaktieren
  • Polizei einschalten, wenn Bedrohungen vorliegen

Wo Betroffene Unterstützung finden

Fazit: Gewalt geht uns alle etwas an
Der Orange Day erinnert uns daran, dass Gewalt gegen Frauen kein Randthema ist. Gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt braucht es Respekt, Aufmerksamkeit und Zivilcourage. Jeder Mensch kann dazu beitragen: indem er respektvoll kommuniziert, Betroffene ernst nimmt und bei Hass und Gewalt nicht wegschaut. Denn eine Gesellschaft ohne Gewalt beginnt oft mit kleinen Entscheidungen im Alltag – offline und online.

„überLEBENsmodus“ – Film-Projekt von Stella Thoma
Was bedeutet der Begriff „Femizid“ eigentlich? Wie häufig kommen solche Taten vor? Welche Rolle spielen häusliche Gewalt, Trennungen und gesellschaftliche Strukturen? Und warum wird dieses Thema zunehmend öffentlich diskutiert? Mit diesen Fragen setzt die der Videobeitrag von Stella Thoma auseinander.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?si=QmesQQNHDBdZ4VdI&v=6mLzd4wU0f8&feature=youtu.be

 

Quellen und weiterführende Links
BKA – „LeSuBiA – Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“
BKA – Bundeslagebilder Häusliche Gewalt – Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024
Generation Z | Wie tickt die GenZ | Institut für Generationenforschung
Formen der Gewalt erkennen – BMBFSFJ
Digitale Gewalt – Frauenhauskoordinierung
Startseite – Aktiv gegen digitale Gewalt

Bildnachweis: UN Woman Deutschland

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 4. November 2026