Krank durch Smartphone, Tablet und Co.?

Wie hoch ist die Strahlenbelastung durch neue Medien?

Ein Handymast auf einem Gebäude.

Auf den ersten Blick wirkt das Thema wie ein alter Hut: Strahlenbelastung durch Mobiltelefone oder Mikrowellengeräte. Doch auch wenn der Hut noch so alt scheint, wird das Thema immer aktueller: Die Smartphone-Nutzungsdauer der Deutschen steigt seit Jahren an, WLAN gibt es inzwischen fast überall, so dass man oft elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt ist. Und auch die aktuellen Studien und Untersuchungen geben noch immer keine Entwarnung, beispielsweise bei der Frage, ob Mobiltelefonnutzung durch langes Telefonieren Gehirntumore oder Hörnerv-Tumore verursacht.

Aber erst einmal eine kurze wichtige Erklärung zur elektromagnetischen Strahlung: Man kann grob zwischen ionisierender und nicht-ionisierender Strahlung unterscheiden. Elektromagnetische Felder (z.B. von Handys/Smartphones oder WLAN zu Hause) sind zwar nicht so stark, dass sie Elektronen aus Molekülen oder Atomen herausbrechen können (also sie sind nicht ionisierend und erzeugen keine Radioaktivität), aber die Strahlung kann auf anderem Wege gesundheitliche Schäden auslösen:

  • Niederfrequente Felder können elektrische Felder und Ströme im Körper erzeugen.
  • Durch hochfrequente elektromagnetische Felder kann biologisches Gewebe erwärmt werden. Man weiß inzwischen, dass sich dadurch die Durchlässigkeit der Zellmembrane von Körperzellen verändern kann.

In der Interphone-Studie (Quelle: http://interphone.iarc.fr/) wurde in mehr als 13 Ländern untersucht, ob der Gebrauch von Mobiltelefonen Gehirntumore begünstigt. Die Studie wurde zu 29 Prozent von der Mobilfunkindustrie finanziert. Auch wenn die Forscherinnen und Forscher kein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Hirntumors aufgrund der Nutzung eines Handys feststellen konnten: „Bei Nutzern von Mobiltelefonen, bei denen sich aus den Befragungen eine Gesamtnutzungsdauer von mehr als 1.640 Stunden [(imRahmen der Studie)] abschätzen ließ, wurde sowohl für Gliome [(Hirntumor, der vom Stützgewebe des Zentralnervensystems ausgeht)] als auch für Akustikusneurinome [(Tumor des Hörnervs)] ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko errechnet. […] Bei den intensiven Handynutzern zeigten sich die Gliome eher in den Hirnregionen, die sich nahe am Ohr befinden und auf der Seite des Kopfes, die als bevorzugte Seite zum Telefonieren angegeben wurde.“ (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz (BfS))

Zwar lassen sich nach wie vor viele Forscherinnen und Forscher und auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zu keiner generellen Aussage verleiten, ob Mobilfunkstrahlung Gehirntumore begünstigt. Aber es gibt auch andere Stimmen.

Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC (International Agency for Research on Cancer) zum Bespiel, eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation WHO, stuft Mobiltelefone als „möglicherweise krebserregend“ ein. Wie ist diese Kategorisierung zu verstehen? Die IARC arbeitet bei der Bewertung von Krebsrisiken mit insgesamt fünf Gruppen:

  • 1 = krebserregend für den Menschen
  • 2a = wahrscheinlich krebserregend
  • 2b = möglicherweise oder auch vielleicht krebserregend (in diese Kategorie wurde das Telefonieren mit Handys eingestuft)
  • 3 = eine Bewertung des Krebsrisikos ist nicht möglich
  • 4 = wahrscheinlich nicht krebserregend für den Menschen
    (Quelle: Krebsinformationsdienst.de)

Die IARC verweist auf eine Steigerung des Risikos für Vieltelefoniererinnen und -telefonierer, die schon sehr früh und sehr lange ein Handy nutzten, wobei sich das Expertengremium der IARC darüber nicht ganz einig war.

In einer anderen Studie wurde bei Vielnutzerinnen und -nutzern von Mobiltelefonen eine verminderte Fruchtbarkeit beobachtet, die laut einiger Forscherinnen und Forscher aber auch auf andere Faktoren in ihrer Lebensweise zurückzuführen sein könnte. (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz)

Da die Forschungslage noch nicht ganz klar ist, empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) „die Exposition durch elektromagnetische Felder sollte so gering wie möglich sein“ (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz). Es gibt unter anderem folgende konkrete Tipps:

  • Nutzen Sie das Festnetztelefon, wenn Sie die Wahl zwischen Festnetz und Handy haben.
  • Nutzen Sie Head-Sets. Die Intensität der Felder nimmt mit der Entfernung von der Antenne schnell ab.
  • Halten Sie Telefonate mit dem Handy möglichst kurz.
  • Telefonieren Sie möglichst nicht bei schlechtem Empfang, wie zum Beispiel im Auto ohne Außenantenne.
  • Verwenden Sie Handys, bei denen Ihr Kopf möglichst geringen Feldern ausgesetzt ist. Je geringer der SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate) Ihres Handys ist, desto geringer das Feld. Die SAR-Werte der verfügbaren Handy-Modelle finden Sie in der SAR-Liste (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz). Die Hersteller der Handys geben die unter festgelegten Bedingungen ermittelten SAR-Werte in der Regel in der Gebrauchsanweisung an. Auch auf den Internetseiten der Handyhersteller sind oftmals entsprechende Angaben zu finden.

Darüber hinaus sollten Trägerinnen und Träger eines Herzschrittmachers laut BfS zwischen Mobilfunkgerät und Schrittmacher immer mehr als 20 cm Abstand einhalten (z.B. durch das Tragen eines Headsets), ansonsten könne das Gerät gestört werden. Und Kinder, so das BfS, müssten vor Elektrosmog besonders geschützt werden.

Insgesamt lässt sich festhalten: Studien, die unter genanntem Aspekt einen längeren Zeitraum als zehn Jahre Mobilfunknutzung abdecken, gibt es noch gar nicht, Entwarnung kann also definitiv nicht gegeben werden.

Im Schlafzimmer nachts den WLAN-Adapter ausstellen. Das Smartphone nicht in der Hosentasche oder eng am Körper tragen. Wenn doch, dann nur im Flugmodus. Bei längeren Telefonaten mit dem Smartphone ein Headset benutzen oder das Festnetz nehmen.

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 6. März 2016