Ältere Menschen, Medien und Gesundheit

Vor allem ältere Frauen profitieren von Gesundheitsthemen im Internet

eine Person hält ein Stetoskop vor sich

Das Themenfeld ältere Menschen, (neue) Medien und Gesundheit wird oft negativ betrachtet und pauschalisiert. Alt gleich krank und keine Ahnung vom Internet – das Klischee stimmt nicht. Wie aber hängen Alter, (digitale) Medien und Gesundheit zusammen? Und was bedeutet dies beim Bedarf nach Gesundheitsinformationen?

Vorab: Alter(n), Geschlecht, Medien und Gesundheitsinteresse

Das Lebensalter hat u.a. Einfluss auf die Mediennutzung. Klassische (aber nicht zwangsläufige) Alterseffekte sind z. B. schlechteres Hören oder Sehen (vgl. Mayer & Baltes 1996). Dies verändert wiederum die Möglichkeiten der Mediennutzung, indem etwa zum Fernsehen Kopfhörer genutzt oder beim Computer größere Darstellungen auf dem Bildschirm gewählt werden. Stärker noch sind generationsspezifische Prägungen und ausgebildete Gewohnheiten der Mediennutzung einzuschätzen (vgl. Gonser 2010): Um punkt 20 Uhr die Tagesschau zu sehen, ist z. B. ein Ritual einiger Fernsehgenerationen, aber längst nicht mehr von jeder.

Gleichzeitig ist mit dem Altern eine „Gesundheitssensibilisierung“ wahrscheinlich. Hier betreffen Generationsunterschiede den heute eher aktiveren Umgang mit Gesundheit als vormals. Relevant ist auch das Geschlecht: Frauen nutzen Medien – häufiger ritualisiert, zur Unterhaltung oder auch nebenbei – mehr als Männer. Und Frauen gehen auch mit Gesundheit anders um, indem sie sich stärker auseinandersetzen und informieren sowie engagierter gesundheitlich vorbeugen (vgl. Altgeld 2007, 90-97, Robert-Koch-Institut 2011, 31).

Gesundheitsbezogene Nutzung von digitalen Medien seitens älterer Menschen

Medien sind fester Bestand in unserem Alltag, insbesondere das Internet ist für die meisten unverzichtbar. Und dies gilt zunehmend auch für ältere Nutzerinnen und Nutzer. Gerade jüngere Ältere wenden sich Online-Medien intensiver zu als vorherige Generationen und pflegen diese Gewohnheiten sicher auch im Altersverlauf weiter. Bestimmender als die Zahl an Lebensjahren sind aber für die Medienzuwendung zunehmend andere Kategorien wie z. B. der Familienstand oder Themeninteressen – entsprechend findet bei einigen auch erst im fortgeschrittenen Alter der Erstkontakt mit dem Internet statt und wird zum neuen Lieblingsmedium (vgl. van Eimeren & Frees 2013, 360; Initiative D21 2013, 22; BMWF 2010, 276-279).

Mediennutzungsstudien zeigen, dass vor allem ältere Frauen bei neuen Medien aufholen. Und mit ihrem größeren Interesse am Thema Gesundheit profitieren sie davon, dass sie auf weitere Informationen nun auch in digitalen Medien zugehen (vgl. Gonser 2013, 11-15).

Wichtig: In der Lage sein, Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet zu beurteilen

Ein richtiger Gewinn ist die Suche nach gesundheitsbezogenen Medienangeboten allerdings nur, wenn die Qualität im Netz stimmt. Bedauerlich ist, dass hiervon nicht ausgegangen werden kann. Umso wichtiger also, dass Nutzende erkennen, wie es um die Qualität bestellt ist, um geeignete Informationen in der Fülle aller zu finden. Dies ist nicht einfach – und vor allem keine Altersfrage. Nötig sind folglich Grundkenntnisse, um z. B. die Vorgehensweise von Suchmaschinen und Nachschlageportalen, die bei Gesundheitsfragen meist als erstes aufgesucht werden, zu verstehen. Es gilt einschätzen zu können, welche Interessen hinter Informationen stehen können, wo eher fachkundige Hinweise zu erwarten sind, welchen Angeboten man Vertrauen schenken kann – es geht um Medienkompetenz.

Literatur

Altgeld, Thomas (2007): Warum weder Hänschen noch Hans viel über Gesundheit lernen – Geschlechtsspezifische Barrieren der Gesundheitsförderung und Prävention. In: Prävention und Gesundheitsförderung, 2(2), S. 90-97. DOI:10.1007/s11553-007-0065-1

BMFSFJ (2010): Sechster Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Pressestelle/Pdf-Anlagen/sechster-altenbericht,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf [12.08.2014]

Gonser, Nicole (2013): Auf der Suche nach Gesundheitsinformationen in digitalen Medien: Bedürfnisse und Gebrauch seitens älterer Menschen. In: Medien & Altern, Heft 2, S. 6-17.

Gonser, Nicole (2010): Rundfunkbiographien – Medienwandel und Mediennutzung: Zur Aneignung und zum Gebrauch von Radio und Fernsehen im Lebens(ver-)lauf älterer Menschen. Berlin: Logos.

Initiative D21 (2013): D21 – Digital – Index. Auf dem Weg in ein digitales Deutschland?! http://www.initiatived21.de/wp-content/uploads/2013/04/digitalindex.pdf [11.08.2014]

Mayer, Karl Ulrich & Baltes, Paul B. (Hrsg.) (1996): Die Berliner Altersstudie. Berlin: Akademie Verlag.

Robert-Koch-Institut (Hrsg.) (2011): Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2009“ (Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes). Berlin: Oktoberdruck. http://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/dateien/Downloads/G/Gesundheitsberichterstattung/Gesundheitsberichterstattung_Gesundheit_in_Deutschland_aktuell_2009.pdf [11.08.2014]

van Eimeren, Birgit & Frees, Beate (2013): Rasanter Anstieg des Internetkonsums – Onliner fast drei Stunden täglich im Netz. Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2013. In: Media Perspektiven, Heft 7-8, S. 358-372. http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/0708-2013_Eimeren_Frees_01.pdf [11.08.2014]

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 1. September 2014

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