Senior-Internet-Initiativen geben Hilfestellung

Wenn der Computer muckt und das Smartphone beißt

Jemand erklärt mehreren Senioren etwas am Computer.

Wer kennt das nicht, da funktioniert der Computer oder das Internet nicht richtig, und weit und breit kann einem niemand helfen. Oder die Kinder wollten einem etwas Gutes tun und haben ein Tablet verschenkt. Leider haben sie aber weder genügend Zeit noch die Muße einem das Gerät wirklich näher zu bringen. Für ältere Menschen ist das oft ein Problem, nicht nur weil sie mit den neuen Medien nicht so gut vertraut sind, sondern auch weil sie zumeist in ihrem persönlichen Umfeld niemanden haben, den sie um Rat fragen können.

Freude am Helfen

An vielen Orten bundesweit gibt es dafür inzwischen Anlaufstellen, die älteren Menschen beim Umgang mit dem PC, Notebook, mobilen Geräten und dem Internet helfen können. Neben den Kursangeboten der Volkshochschulen bieten Senior-Internet-Initiativen für ältere Menschen kostengünstig oder sogar kostenlos Hilfe an. In den Initiativen sind sogenannte „Senior-Internet-Helferinnen bzw. -Helfer“ oder auch Technik-Botschafterinnen bzw. -Botschafter ehrenamtlich tätig. Ihnen geht es nicht nur um die Technikvermittlung, sondern auch um den sozialen Austausch und die Freude anderen zu helfen.

Ihre Angebote heben sich dabei zumeist von den klassischen Kursangeboten ab und sind auf ältere Menschen besonders zugeschnitten. In Workshops werden aktuelle Probleme und Themen behandelt, die den Teilnehmenden gerade auf der Seele brennen. In kleinen Schritten, individuell ausgerichtet werden die Teilnehmenden betreut. Zumeist begleiten mehrere erfahrene Freiwillige die Workshops, so dass eine individuelle Betreuung auch gewährleistet sein kann. Es gibt aber auch offene Treffs, Einzelberatung oder an manchen Orten sogar Unterstützung zu Hause. Bei Internet-Stammtischen kann man sich unter Gleichgesinnten austauschen. Wichtig auch hier, nicht die Technik steht im Vordergrund sondern das menschliche Miteinander.

Nah an den Menschen

Allein in Baden-Württemberg findet man über 80 Initiativen, die nach diesem Prinzip „von Seniorinnen bzw. Senioren für Seniorinnen bzw. Senioren“ arbeiten. Ehrenamtlich, vertrauenswürdig, technisch versiert und doch ganz nah an den Problemen der älteren Menschen dran, ermöglichen sie eine Hilfe und Unterstützung, die professionelle Weiterbildungsanbieter oder kommerzielle Firmen in dieser Form nicht bieten können. Gerade auch ältere Menschen, die nicht so technisch versiert sind oder nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, finden hier Rat.

Das Besondere an den Senior-Internet-Initiativen ist, dass hier nicht nur Einzelkämpfer am Werk sind, die Ehrenamtlichen unterstützen sich vielmehr gegenseitig; häufig bilden sich über die Jahre hinweg auch Schwerpunkte bei den einzelnen Senior-Internet-Helferinnen und -Helfer heraus: Die einen kümmern sich etwa eher um Desktop-Rechner, andere um bestimmte Anwendungen wie Fotobücher oder Excel und wiederum andere kennen sich dafür mit den mobilen Geräten wie Tablets oder Smartphones aus. Wichtig sind in solchen Initiativen aber auch diejenigen, die sich um die Gemeinschaft, um rechtliche oder organisatorische Fragen und nicht zuletzt auch um das leibliche wohl kümmern.

Zusammen mehr erreichen

In einigen Bundesländern haben sich solche Senior-Internet-Initiativen zu Netzwerken zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Freiwilligen und Multiplikatoren zu qualifizieren und sich für die Teilhabe der älteren Generationen bei der Digitalisierung einzusetzen. Ältere Bürgerinnen und Bürger dürfen bei der Digitalisierung nicht zurückgelassen werden! Ein Beispiel für einen solchen Dachverband ist das „Netzwerk Senior-Internet-Initiativen in Baden-Württemberg“ – kurz Netzwerk-sii BW, das 2008 gegründet wurde. Regelmäßig werden mehrtägige Qualifizierungsangebote für die Senior-Internet-Helferinnen und -Helfer gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Zentrums für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW)  der Universität Ulm angeboten. Durchgeführt werden aber auch regionale Aktionstage, gemeinsame Projekte der Initiativen und der Austausch zu neuen und wichtigen Themen. Die Netzwerkpartner profitieren davon, dass erfahrenere Initiativen neuen Initiativen zur Seite stehen und neue Senior-Internet-Helferinnen und -Helfer vor Ort qualifiziert werden können.

Als Interessensvertretung ist das Netzwerk-sii BW Mitglied im Landesseniorenrat. Gemeinsam mit anderen Verbänden, der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Ministerien und Medienvertretern (Landesanstalt für Kommunikation, Südwestrundfunk) tauscht man sich auf Landesebene aus und bringt sich aktiv in die Digitalisierungsoffensive für ältere Menschen mit ein.

Was noch zu tun ist

Wünschenswert wäre, dass es in den Bundesländern überall Zusammenschlüsse wie das Netzwerk sii BW geben würde. Auf der Webseite des Netzwerks findet man z.B. einen Überblick über alle Mitgliedsinitiativen in Baden-Württemberg, aber auch Termine für gemeinsame Qualifizierungsangebote, Hinweise auf regionale Aktionstage und andere Veranstaltungen sowie für die Mitgliedsinitiativen einen Materialienpool. Mehr Infos unter:  www.netzwerk-sii-bw.de

Natürlich gibt es solche Initiativen auch in anderen Bundesländern. Wer vor Ort Unterstützung und Hilfe benötigt oder sich vielleicht selbst in einer Senior-Internet-Initiative engagieren möchte, kann sich an das jeweilige Seniorenbüro, den Seniorenrat oder die Volkshochschulen wenden. Hier erhält man die richtigen Ansprechpartner vor Ort oder kann sogar bei Problemen gleich selbst weiterhelfen.

Bisher funktionieren solche Netzwerke immer nur auf Länderebene. Die Strukturen sind dabei sehr unterschiedlich und hängen oft an Einzelpersonen oder Förderstrukturen. Die bundesweite Vernetzung solcher Initiativen steckt noch in den Kinderschuhen, wäre aber mit Blick auf die demografische Entwicklung ein wirklicher Gewinn für die generationenübergreifende Teilhabe am digitalen Wandel.

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 12. August 2016

Lizenz: Artikel-Foto: Colourbox.de/Autorenfoto: Uni Ulm

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