Freifunk-Netz

Freies W-LAN überall

Antennenscheibe steht auf Balkon.

Ein Leben ohne Internet ist heutzutage fast undenkbar. Über das WorldWideWeb lassen sich einfach und bequem Informationen sammeln oder Einkäufe und Reisebuchungen tätigen. Auch Termine bei Ärzten oder Friseuren können leicht online vereinbart werden. Die Initiative „Freifunk“ macht es möglich, dass man kostenlosen Zugang zum Internet bekommt – und zwar nicht nur zu Hause, sondern auch in der Fußgängerzone oder bei einer Städtetour in Deutschland. Wie das funktioniert, dazu mehr im folgenden Interview mit dem Freifunker Florian Altherr.

Was ist Freifunk?

Das Ziel von Freifunk ist es, kurz gesagt, ein freies, kostenloses und dezentrales Netz aufzubauen. Dabei werden die WLAN-Netze von Privatpersonen, aber auch von Gewerbebetrieben zusammengeschaltet, um so ein großes Netz zu erschaffen. Das Freifunk-Netz ist frei von Registrierung, Erfassung von persönlichen Daten und zeitlicher Begrenzung. Freifunk ist eine nicht-kommerzielle Initiative, und jeder kann das Freifunk-Netz nutzen – an vielen Orten und ohne Account oder Anmeldung.

Im Freifunk-Netz können Daten, wie zum Beispiel Texte, Musik und Filme übertragen werden, und man kann über das Netz chatten, telefonieren oder gemeinsam Onlinegames spielen. Das Wichtigste ist: Das Netz ist ein Mitmach-Netz, das heißt jeder kann und soll es auch erweitern. Dazu muss man nur einen dafür vorbereiteten WLAN-Router bei sich zu Hause aufstellen. Die Installation ist sehr einfach und kann selbst durchgeführt werden. Hilfe erhält man bei Bedarf von anderen Freifunkern.

Router in einer Wohnung.Wie funktioniert das?

Die Funktionsweise von Freifunk ist ganz einfach: Privatpersonen und Gewerbetreibende stellen in ihren Räumlichkeiten Freifunk-Router auf. Diese Freifunk-Router verbinden sich automatisch über WLAN untereinander und bilden somit gemeinsam ein großes Netzwerk (sog. „Mesh“). So wächst das Netz von Wohnung zu Wohnung, von Haus zu Haus und von Stadt zu Stadt. Die meisten Freifunker teilen auch ihren Internet-Anschluss mit dem Freifunk-Netz. Daher kann man an fast allen Orten über das Freifunk-Netz auch das Internet benutzen.

Wie verbreitet ist Freifunk in Deutschland?

Es gibt schon fast 200 Freifunk-Communities in Deutschland, die insgesamt schon mehr als 16.000 freie WLAN-Zugänge gemeinschaftlich betreiben. Und es werden ständig mehr.
Die nächste Community findet man über diese Karte. Interessierte wenden sich am besten zunächst an ihre lokale Freifunk-Gruppe oder eine bestehende Gruppe in der Nähe. Alle Gruppen verfügen über eigene Internetseiten, Mailinglisten und Kontaktmöglichkeiten.

Wie kann man das Freifunk-Netz nutzen? Für wen ist dieser Service gedacht?

Freifunk ist für alle da! Das Netz kann jeder und jede ganz einfach nutzen, indem man sich mit seinem Smartphone oder Computer mit dem offenen Freifunk-WLAN verbindet. In Mainz heißt das WLAN „Freifunk Mainz“. Passwort und Anmeldung sind nicht nötig, und man muss dafür nicht bezahlen – nicht mit Geld, und auch nicht durch Preisgabe persönlicher Daten.

Sendemast auf einem Hochhaus.Freifunker sind der Auffassung, dass jeder Mensch Zugang zum Netz haben sollte, um kommunizieren und sich informieren zu können, um sich auszutauschen und am digitalen Leben teilzuhaben. Freifunk ist daher gerade auch für sozial und/oder finanziell benachteiligte Personen interessant. In vielen Städten werden mit Freifunk beispielsweise Flüchtlingsunterkünfte versorgt, denn für Flüchtlinge ist es oft nicht leicht und finanziell schwierig, Internetanschlüsse selbst zu buchen. Über Freifunk können sie sich problemlos informieren und mit der Heimat Kontakt halten.

Immer wichtiger wird auch die wirtschaftliche Komponente: Schnelles Internet ist ein wichtiger Faktor für Gewerbetreibende und auch für Touristen. Wer freut sich nicht, wenn er als Tourist im Ausland statt des teuren Roaming-Tarifs ein offenes WLAN nutzen kann?

Wie sicher ist das Freifunk-Netz?

Das Freifunk-Netz ist so sicher (beziehungsweise so wenig sicher!) wie jedes andere offene WLAN zum Beispiel in einem Café. Wer ein offenes WLAN benutzt, sollte immer auf verschlüsselte Verbindungen achten, beispielsweise sollten beim Surfen nur https-Verbindungen verwendet werden (statt http – ohne s). Ebenfalls bei E-Mail oder Instant Messengern (wie WhatsApp oder TextSecure) sollte in offenen WLANs (und so auch im Freifunk) immer Verschlüsselung zum Einsatz kommen. Wie man das am besten macht, dazu geben alle Freifunker immer gerne Tipps.

Wer haftet dafür, wenn über die eigene zur Verfügung gestellte Internetverbindung Illegales betrieben wird?

Leider haben viele Leute noch Angst vor der sogenannten Störerhaftung. Die besagt, dass man als Anschlussinhaber unter Umständen haften kann, wenn jemand anderes beispielsweise Urheberrechtsverletzungen über den eigenen Anschluss begeht. Im Freifunk gilt diese Störerhaftung aber nicht, da Freifunker ihr Netz ja absichtlich der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und somit (analog den Internetprovidern) aus der Haftung ausgenommen sind.

Da es aber noch eine große Verunsicherung gibt, gehen viele Freifunk-Communities den pragmatischen Weg: Sie leiten den Datenverkehr nicht direkt ins Internet, sondern erstmal über bestimmte Server, sodass die Nutzer und Betreiber von Freifunk-Knoten nicht mit ihrer IP-Adresse auftauchen und gar nicht erst Ärger bekommen können.

Für die Freifunker gilt das Motto „Freifunk statt Angst!“. Wir können nicht 100%ig ausschließen, dass über unser Netz – wie über jedes offene WLAN – vielleicht irgendwann auch mal etwas Illegales gemacht wird. Für uns stehen aber die Chancen und vielfältigen Möglichkeiten des freien Netzes im Vordergrund und die Vision eines großen Netzes in Nutzerhand, zu dem alle freien Zugang haben.

Wie kann man dabei mitmachen?

Zwei Menschen löten an einer Antenne.Der einfachste Weg mitzumachen ist, selbst einen Freifunk-Router aufzustellen. Das lohnt sich immer. Denn auch wenn sich noch keine anderen Freifunk-Router in der Nähe befinden, kann der Knoten über das Internet die Verbindung zum Freifunk-Netz aufbauen. Ob es schon Freifunk-Router in der Nähe gibt, kann man einfach und schnell auf der Freifunk-Karte in Erfahrung bringen. Je nach Modell kostet ein solcher Freifunk-Router zwischen 16 und 45 Euro. Wie das genau funktioniert und welche Router-Modelle infrage kommen, erklären wir auf unserer Webseite.

In Mainz finden die Treffen zwei Mal im Monat statt. Die Termine findet man auf unserer Webseite www.freifunk-mainz.de
Die Freifunk-Karte mit allen Knoten in der näheren Umgebung gibt es auf http://map.freifunk-mainz.de/geomap.https://freifunk.net/wie-mache-ich-mit/community-finden/html

Informationen und den Link zu allen anderen Freifunk-Communities bundesweit findet man über www.freifunk.net
Interviewpartner: Florian Altherr/Freifunk Mainz

 

Bildnachweise:

Antennenscheibe/Daniel Weberuss/Freifunk Mainz
Router/Florian Altherr/Freifunk Mainz
Sendemast/Sebastian Schmachtel/Freifunk Mainz
Löt-Workshop/Daniel Weberuss/Freifunk Mainz

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 9. Juli 2015

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