Web 3.0 – das Netz wird intelligent

Autos, die mit der Wohnung reden

Der Begriff Web 3.0 steht in einem Bild von einem Gehirn.

Selbstfahrende Autos, einkaufende Kühlschränke und Häuser, die eigenständig die Temperatur und das Licht regulieren, sind heute schon möglich. All das funktioniert aber nur, wenn die Geräte miteinander kommunizieren können und intelligenter werden. Wie eine solche Technik funktioniert, was es bereits gibt und was die Zukunft bringen wird, erklärt dieser Artikel.

Computer sind beeindruckende Rechenkünstler, und ihre Leistungsfähigkeit wird sich in den nächsten Jahren noch weiter erhöhen. Doch gleichgültig wie schnell oder zuverlässig ein System funktioniert, die Rechenmaschinen arbeiten derzeit noch weitgehend unselbstständig. Sie führen nur die Befehle aus, die ihr Benutzer eingegeben hat. Computer tun sich sehr schwer damit, Zusammenhänge selbstständig zu verstehen und dann aufgrund des eigenen Verständnisses zu handeln. Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten daran, Computertechnologie intelligenter zu machen, so dass sie ähnlich wie Menschen in der Lage sind, auf der Grundlage eigener Bewertungen zu handeln. Das Internet führt in diesem Zusammenhang als Übertragungsweg zu vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, wenn Maschinen und Sensoren aller Art miteinander kommunizieren. Diese Entwicklungen werden unter den Begriff Web 3.0 gefasst. Das Web 2.0, das uns als Neuerung vor allem die Mitmachmöglichkeiten der sozialen Netzwerke wie Facebook oder Google+ gebracht hat, soll erweitert werden um Vernetzungsmöglichen unterschiedlichster Geräte.

Alles wird vernetzt

Im Web 3.0 sollen die smarten Geräte in der Lage sein, miteinander zu „sprechen“, also Informationen auszutauschen. Der heimische smarte Herd weiß dann zum Beispiel, welche Nahrungsmittel im Kühlschrank noch verfügbar sind, wodurch Verbraucherinnen und Verbraucher schnell erfahren, was sie kochen können. Der intelligente Stromzähler meldet dem Stromversorger genau, zu welchen Zeiten und in welchem Umfang ein Haushalt Strom benötigt, was den Unternehmen eine bedarfsgerechte Planung bei der Energieerzeugung ermöglicht.

Je mehr Geräte vernetzt werden und je mehr Daten sie speichern und auswerten, desto vielfältiger werden die Möglichkeiten für automatische Abläufe. Grundlage für den Informationsaustausch zwischen Maschinen, das sogenannte „Internet der Dinge“, bilden einheitliche Maschinensprachen, an denen noch gearbeitet wird.

Das Netz versteht

Computer sind keine Menschen, deswegen muss ihnen ein menschenähnliches Denken zunächst beigebracht werden. Komplexe mathematische Verfahren helfen den Maschinen, bestimmte Umweltinformationen so zu verarbeiten, dass sie zu einer menschlichen Entscheidung gelangen. Je besser solche Verfahren die bekannten individuellen Entscheidungsprozesse nachahmen können, desto besser lassen sich die neuen Technologien im Alltag anwenden.

Unter den Begriff semantisches Web fallen all jene Methoden, die den Maschinen unter Anwendung von Internetdaten oder -technologien zur Erzeugung von Verständnis dienen.

Anwendungsbeispiele

Die Funktionen des Web 3.0 finden schon heute vereinzelt Anwendung. Die semantische Suchmaschine WolframAlpha (www.wolframalpha.com) sucht nicht nur nach reinem Text im Internet, sondern versteht Fragen und bereitet Informationen aus dem Netz entsprechend auf. Eine Anfrage wie „Bush vs. Obama“ führt zu einer Vergleichsübersicht von zwei Präsidenten der USA.

Das Produkt Google Now des gleichnamigen Internetunternehmens verknüpft gesammelte persönliche Daten wie Termine, Suchanfragen und getätigte Einkäufe. Die Software arbeitet damit als persönlicher Assistent, der darauf hinweist, was als Nächstes zu tun ist. Google Now versucht, menschliches Verhalten vorherzusagen. Ähnlich funktioniert das Programm Siri, das auf mobilen Geräten des Unternehmens Apple zu finden ist. Die semantische Suche von Siri beantwortet Fragen durch Auswertung der persönlichen Daten und von Daten im öffentlichen Internet.

Grafik des vernetzten Autos.Vor allem das Autofahren soll sich im Web 3.0 durch Vernetzung revolutionieren: Der Bordcomputer erhält über das Internet Wetterdaten und warnt automatisch vor Schnee und Hagel. Auf der Autobahn melden vorausfahrende PKW per Funk starkes Bremsen, das eigene Auto warnt auf dieser Grundlage sofort vor einer Gefahr. Sobald der PKW in einen bestimmten Umkreis um das eigene Heim fährt, springt dort die Heizung an und wärmt die Wohnung vor. Am nächsten Morgen werden die beim Verlassen des Hauses versehentlich offen gelassenen Fenster geschlossen, sobald die Zündung betätigt wird. Das smarte Auto kann das Fahrverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher genau überwachen. Dies machen sich schon jetzt Versicherungen zunutze. Kundinnen und Kunden, die sich bereit erklären, Informationen zum Fahrstil mit dem Unternehmen zu teilen, erhalten eine Kfz-Versicherung, deren Beiträge an dem aus dem Fahrverhalten konkret errechneten Risikopotenzial ausrichtet sind.

Quelle Text und Grafik: Gollner, Christian; Steinhöfel, Barbara: Blick in die Zukunft des Internets. In: Silver Surfer – Sicher online im Alter. Lernbuch für aktive Internetnutzer. 3. Auflage 2015.

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 1. Februar 2016

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