Vergleichsportale im Internet

Angebote finden und richtig verstehen

Bewertungssterne und im Hintergrund ein Teil eines Autos.

Bald ist schon wieder Weihnachten, da kann es sich lohnen, vor dem Geschenkeeinkauf im Internet Preise zu vergleichen. Einige Internetseiten versprechen Hilfe: Auf sogenannten Vergleichsportalen lassen sich Preise vergleichen und auf einen Klick günstige Produkte finden. Solche Portale gibt es für beinahe alles, nicht nur für Weihnachtsgeschenke. Egal ob Fotoapparat, Stromanbieter, Tagesgeldkonto oder Berufsunfähigkeitsversicherung, der Ratschlag lautet oft gleich: Einfach das entsprechende Vergleichsportal im Internet befragen, passendes Produkt oder passenden Tarif für sich heraussuchen und praktischerweise auch gleich auf der Seite des Vergleichsportals abschließen. Aber ist der Vergleich im Internet wirklich so einfach und halten die Portale, was sie versprechen? Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Tipps zusammengestellt, die das Vergleichen im Internet erleichtern und mit denen Fallstricke vermieden werden können.

Wie funktionieren Vergleichsportale?

Beispiel Energiemarkt: Gleich auf der Startseite bieten die meisten Portale die Möglichkeit, die für den Vergleich erforderlichen Daten einzugeben, in diesem Falle sind das Anzahl der Personen im Haushalt, durchschnittlicher Stromverbrauch und Wohnort. Mit einem Klick auf „Vergleichen“ oder eine ähnlich beschriftete Schaltfläche wird die Nutzerin oder der Nutzer dann zu einer Tarifübersicht weitergeleitet. Die angezeigte Liste zeigt eine Auswahl an Tarifen, angefangenen mit dem günstigsten. Soweit, so einfach? Weit gefehlt.

An erster Stelle stehen häufig „Tipps des Portals“, die aber nicht zwangsläufig die günstigsten Ergebnisse des Vergleichs sind. Die folgenden Angebote werden dann nach möglicher Ersparnis aufgelistet, der vermeintlich günstigste Anbieter zuerst. Dabei werden die Kosten für ein ganzes Vertragsjahr inklusive eines Neukunden- oder Sofortbonus angezeigt, den das Unternehmen gewährt. Dieser ist in den Jahresbetrag bereits mit eingerechnet, wird aber, soviel verrät das Kleingedruckte, erst nach Ablauf eines Vertragsjahres ausbezahlt. Kündigt man den Vertrag früher, beispielsweise wegen eines Umzugs oder aus anderen Gründen, entfällt der Bonus und der vermeintlich günstige Tarif entpuppt sich als weniger preiswert. Ob mögliche Bonuszahlungen beim Vergleich mit eingerechnet werden oder nicht, lässt sich auf den Portalseiten einstellen und sollte immer deaktiviert werden.

Wie lässt sich das beste Angebot finden?

Weitere mögliche Voreinstellungen, die man an den eigenen Bedarf anpassen sollte: Bei Stromtarifen empfiehlt sich eine möglichst niedrige Mindestvertragslaufzeit (maximal ein Jahr) und eine kurze Kündigungsfrist. Paketpreise und Vorkasse sollten vermieden werden. Berücksichtigt man all diese Punkte, wird die Liste der „besten“ Anbieter noch einmal neu gemischt. Wenn dann nach dem Anpassen sämtlicher möglicher Voreinstellungen der günstigste Anbieter gefunden wurde, stellen sich weitere Fragen: Hat das Portal wirklich alle Anbieter auf dem Markt berücksichtig oder gibt es noch einen günstigeren, der nicht gelistet wird? Tatsächlich sind Portale frei in der Auswahl der Anbieter, die sie in ihr Vergleichsangebot einbeziehen. Zudem übernimmt kein Portal die Garantie, dass der angezeigte Tarif auch tatsächlich zur Verfügung steht. Und ist der Günstigste wirklich der Passendste? Der Vergleich nur über den Preis führt erfahrungsgemäß oft nicht zum besten Angebot. Das gilt insbesondere auch für Portale, die Finanzprodukte oder Versicherungen miteinander vergleichen. Hier sind viele weitere, individuelle Kriterien zu berücksichtigen. Wissen sollte man auch, dass bei über ein Portal abgeschlossenen Verträgen mitunter Provisionen vom Anbieter an den Portalbetreiber gezahlt werden, wodurch der falsche Anreiz bei Anbietern entstehen kann, durch Tricksereien einen Platz möglichst weit oben auf der Trefferliste zu ergattern. Die geschilderten Probleme lassen sich auch auf Portale übertragen, die Preise von Produkte beispielsweise Elektroartikel vergleichen. Bei solchen Preisportalen ist außerdem darauf zu achten, ob weitere Kosten beispielsweise für den Versand entstehen, die im Vergleich nicht berücksichtigt werden.

Ergebnisse prüfen und vergleichen

Das Beispiel zeigt, was Portale leisten können und was nicht: Sie erleichtern es, einen eingeschränkten Marktüberblick zu erhalten und ermöglichen einen begrenzten Preisvergleich. Vollständig ist der Überblick aber oft nicht. Es ist daher ratsam, für die Entscheidung mehrere Portale zu verwenden, auf Seiten möglicher Anbieter nachzuschauen und nach dem Vergleich auch den favorisierten Anbieter direkt zu kontaktieren.

Tipps

  • Voreinstellungen anpassen: Oft sind das Einrechnen von Bonuszahlungen, lange Vertragslaufzeiten oder sogar zusätzliche Verträge (z.B. Reiseversicherungen) automatisch voreingestellt, wodurch das Ergebnis verfälscht werden kann oder sogar ungewollte Verträge zustandekommen können.
  • Marktüberblick unvollständig: Die Angebote von Vergleichsportalen sind oft nicht vollständig und bilden nur einen Teil des Marktes ab. Daher ist es ratsam, die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen, mehrere Portale zu verwenden und alternative Recherchemöglichkeiten zu nutzen.
  • Zusatzkosten vermeiden: Sind beispielsweise Versandkosten mit eingerechnet oder entstehen nach Vertragsabschluss weitere Kosten?
  • Echte Ergebnisse von Anzeigen unterscheiden: Auch auf Portalseiten können sich Anzeigen verstecken, die den Sucherergebnissen ähneln.
  • Der Preis ist nur ein Kriterium: Bei vielen Produkten sind neben dem Preis weitere, individuelle Kriterien zu berücksichtigen.
  • Lockvogelangebote: Gelten die angezeigten Konditionen nur für eine bestimmte Zeit oder für die gesamte Vertragsdauer?

 

Dieser Artikel gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Datum: 1. November 2014

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